Montag, 28. September 2015
Syrien und das Problem der Flüchtlinge
Die Situation in Syrien ist so verwickelt, die ganze Welt hat sich da eingemischt, jeder versucht da sein Brocken rauszuholen. Die Weltmächte haben ein paar Mal Ihre Position gewechselt, scheinbar Fehleinschätzungen gemacht (ich weiss nicht ob die Fehleinschätzungen nicht auch geplant waren). Als Laie blickt man da einfach nicht mehr durch!
Ja die Frucht ist bitter! Aber bevor man versuchen sollte die Bitterkeit mit Zucker schmackhafter zu machen, sollte man nicht besser mal die Ursachen untersuchen? Woher kommt denn dieser Bitterer Geschmack? Ist da etwas faul oder liegt es am Wesen der Frucht? Vielleicht hätte man lieber eine andere Frucht-Sorte anpflanzen sollen. Vielleicht aber liegt es nur am Anbau und an der Art der Pflege.
Ich will nicht immer in Metaphern flüchten. Ich will auch nicht von der Wirklichkeit fliehen, selbst wenn ich sie nicht immer ganz verstehe. Bevor ich aber ans Werk gehe, sollen einige Bemerkungen gemacht werden. Erstmals muss ich zugestehen dass ich schon mehrmals Berichte über Syrien gelesen habe. Die Quellen anzugeben vorher mein Wissen, besser gesagt, mein Unwissen stammt, würde einige Forschung verlangen, dazu bin ich zu faul und es ist mir zuviel Arbeit. Ganz auf mein Gedächtnis aufzubauen dazu traue ich mich nicht, dazu fehlt mir die Sicherheit. Zweitens, obwohl ich die Angelegenheit nicht immer ganz durchblicke habe ich einen Standpunkt. Neutralität und reine Objektivität gibt es nicht und ich will sie auch nicht vortäuschen. Drittens soll es hier keine Abhandlung werden und die Leser sollen nicht mit Daten und Quellenangaben überflutet werden. Es soll kurz und einfach sein. Anderseits will ich nicht alles vereinfachen, denn damit entfernt man sich von der Wirklichkeit. Also, wieder Widersprüche... Folglich habe ich versucht ein Kompromiss zwischen Quellenangaben und übermässiges Selbstvertrauen, Fakten und Meinung, Komplexität und Vereinfachung zu machen. Ob es mir gelungen ist, das wird man sehen. Jedenfalls was die Auffrischung des Gedächtnis betrifft, so habe ich mich auf die deutsche Wikipedia beschränkt (besonders die Artikel Islamischer Staat und Bürgerkrieg in Syrien). Ich wähle hier und da einiges das in mein Konzept passt.
Was in Syrien stattfindet ist, nach meiner Meinung, nichts weiter als eine Fortsetzung des alten Kalten Krieges. Auf der einen Seite sind die Westmächte geführt von den USA. Auf der anderen Seite sind Russland und der Iran. Nach dem Bruch der Sowjetunion hat, nach einiger Zeit, Russland, durch Putin, einen Weg zu einer selbständigen Aussenpolitik gefunden. Der Preis ist der Konflikt. Das der Konflikt sich gerade in Syrien abspielt, das man nicht ein Land ausgewählt hat das vielleicht näher von den USA und entfernter von Europa wäre, dass liegt wahrscheinlich an der Stärke der Machtpositionen im Westen. Europa, immer unterwürfig den USA, daran wird sich wahrscheinlich, auch in Zukunft, nichts ändern.
Assad ist natürlich kein Heiliger. Auch ist die Tatsache dass, vor dem Bürgerkrieg, unter seiner Führung (ich meine natürlich den Vater) eine gewisse Stabilität im Lande herrschte, kein Beweis dass die Zustände besser waren. Auch im Friedhof herrscht (meistens) Ruhe und die Lage in den Gefängnissen ist (meistens) stabil. Aber die Einmischung der Westmächte in Syrien den verletzten Menschenrechte und den Eingriffen auf die Zivilbevölkerung zuzuschreiben, wo der Aufstand der Rebellen meist von der CIA und den Westmächten reichlich mit Waffen, Experten und Geldmittel gefördert wurde, wo tagtäglich in Afrika gleiche oder schlimmere Ereignisse geschehen ohne dass irgend etwas passiert und wo unter den arabischen Verbündeten gleiche oder schlimmere Tyranneien/Autokratien als die syrische bestehen (siehe z.B. Artikel in der Wikipedia über Saudi-Arabien), dass einer so naiv ist so ein Märchen zu glauben, das ist schwierig zu verstehen. Erklären kann ich mir diese Haltung nur durch die Tatsache dass nicht sehen meistens auf nicht sehen wollen beruht.
Auch Russland versucht natürlich Machtpositionen zu verstärken und nach der Zerstörung von Libyen und den Irak, den Vormarsch der Interessen der Westmächte aufzuhalten. Das Bündnis mit Iran ist natürlich nur taktisch zu verstehen denn weder Kultur noch Politik verbinden beide Staaten. Gesagt muss auch dass die lange autokratische Herrschung der Familie Assad und das Baath Einparteiensystem nur möglich waren durch die damalige/heutige Unterstützung der Sowjetunion/Russland.
Ein Wort zu dem Islamischen Staat (IS), einer der wichtigsten Akteuren bei dem syrischen Bürgerkrieg und der viel dazu beigetragen hat um das Flüchtlingsproblem zu verschärfen. In der Wikipedia lese ich in der ersten Zeile (Islamischer Staat / Finanzierung) dass die Gruppe wahrscheinlich durch Spenden superreicher Privatleute, religiöse Stiftungen und Moscheevereine vor allem aus Saudi-Arabien und Katar, in geringeren Umfang auch aus Kuwait und den Vereinigten Emiraten, finanziert wird. Alles Verbündete der USA!!! Wenn man bedenkt dass seit 2014 die USA Angriffe gegen Stellungen des IS fliegen, dann ist es schwer zu verstehen dass es der CIA nicht gelungen ist rauszukriegen wer in Katar (ähnliches gilt für Kuwait und den Vereinigten Emiraten), eine absolute Monarchie, Fläche von 11.606 km², 2.155.446 Einwohner, für diese Spenden zuständig ist. An so viel Inkompetenz kann ich nicht glauben. Es könnte natürlich alles nur Heuchelei sein, d.h. die Angriffe auf den IS werden nur vorgetäuscht, in Wirklichkeit aber unterstützt man ihn durch Waffenlieferung und Gelder. Vergessen sollte man nicht dass der IS einer der stärksten Gruppen gegen Assad bildet. Lieber aber glaube ich dass dahinter ein sagenhaftes Geschäft liegt das schon mehrmals in der Weltgeschichte benutzt wurde. Auf der einen Seite liefert man Waffen an einer Gruppe. Auf der anderen Seite zerstört man sie. Die Waffenfabrikanten bedanken sich natürlich sehr!
Interessant ist auch die Rolle Israels in dem syrischen Bürgerkrieg zu untersuchen. Folgend derselben oben angegebenen Quelle, unterstützt Israel, laut Bericht der Vereinten Nationen, insbesondere die al-Nusra Front. Diese, der al-Qaida nahe stehender Gruppierung, hat sich zeitweilig als die zweitgrösste Oppositionsgruppe neben der Freien Syrische Armee etabliert und bekämpft somit das Assad Regime. Auch der IS, deren Ursprung im irakischen Widerstand liegt, bekannte sich am Anfang zu der al-Qaida von dessen Führung er sich etwa Mitte 2013 löste. Um die Position Israels besser zu verstehen sollte man beachten dass an Assads Seite die islamitische Organisation Hisbollah befindet, die Israel bekämpft. Wichtig scheint mir zu beachten dass durch die grosse Zersplitterung der Oppositionsgruppen und die ineinander fliessenden und ständige wechselnde Grenzen dieser Gruppen, es gar nicht möglich ist zu vermeiden das Mittel (Gelder und Waffen) die einer Organisation zugedacht sind in andere Hände fällt, d.h., eine präzise Abgrenzung der Oppositionsgruppen ist kaum möglich.
Um die Sache noch komplizierter zu machen muss noch gesagt werden dass der Syrische Bürgerkrieg auch eine Gelegenheit für den langjähriger Kampf zwischen Sunniten und Schiiten bietet. Saudi-Arabien und Katar würden gerne die Verstärkung der Sunniten in dieser Gegend sehen. Auf der anderen Seite ist der Iran. Die Kurden kommen auch noch dazu um alles noch komplizierter zu machen.
Nach dem oben gesagten geht eigentlich klar hervor dass die Westmächte eine grosse Verantwortung für die heutigen Zustände in Syrien haben. Wie ist dann die Haltung der Merkel in Hinsicht auf die Aufnahme der Flüchtlinge aus Syrien zu verstehen? Was hat sie dazu bewegt? Als erstes muss ich sagen dass ich diese Frage für völlig belanglos halte. In welchem trüben Wasser sie fischt, das ist, nach meiner Meinung, völlig irrelevant. Zweitens kann ich einfach nicht glauben dass Politik mit schlechtes Gewissen und Schuld Gefühle gemacht wird. Ausserdem sehe ich kein Druck weder von innen, noch von aussen, um Rückzieher zu machen. Da ich nicht so machiavellistisch sein möchte um den Verdacht auszusprechen dass es sich hier nur um leere Formulierungen handelt, dass sie, einerseits, schöne Worte für die Flüchtlinge hat und, anderseits, die Grenzübergänge verschärfen lässt, kann ich nur vermuten dass es sich hier um ein publizistischen Streich handelt um die Image, reichlich gestört durch die Härte der Griechenland Verhandlungen, aufzuputzen. Wir sind zu einer Gesellschaft des Spektakels geworden und das Bild von dem toten Jungen am Strand konnte den richtigen Zeitpunkt liefern. The right time for the right idea.
In Wirklichkeit werden, durch diese Massnahmen, die Zustände für Ausländer in Deutschland nur noch verschlechtern. Nur wer an Märchen glaubt kann annehmen dass ein Bild und ein paar nette Worte tief verankerte Gefühle und Interessen ändern können. Später oder früher kommt jedes Spektakel zu einem Ende. Vorhang geschlossen, dann sitzt man wieder bei seinen Siebensachen, seinen Gram und Bitterkeit. Darunter gehört natürlich auch Pegida. Jetzt kommen noch einige Syrier dazu.
Dienstag, 1. September 2015
Gespräch mit einem Papagei
Die Kinder waren noch klein und wir gingen öfters mit ihnen in dem Zoologischen Garten. Gegenüber einem kleinen Spielplatz war ein grosser Käfig mit verschiedenen Sorten Vögeln. Während die Kinder spielten ging ich dort hin. Ein kleiner Papagei kam geflogen, klammerte sich an dem Gitter und musterte mich gründlich und genau mit dem seitlichen Blick der den Vögeln so eigen ist. Dann pfiff er einige Töne. Ich pfiff zurück genau dieselbe Melodie. Nach einer Pause wiederholte sich der Vorgang mit kleinen Variationen in Rhythmus und Ton. Ich versuchte, soweit meine Musikalität und Pfeif-Künste es erlaubten, genau dieselben Änderungen in der Antwort zu berücksichtigen. Das ging so einige Minuten lang bis eine kleine Pause in der Konversation mir die Gelegenheit bot auch mal aktiv zu werden. Jetzt führte ich die Variationen in der Melodie ein, die dann von dem Vogel wiederholt wurden, oder mindestens, so glaubte ich es damals, besser gesagt, so glaube ich es heute dass ich es damals glaubte, noch besser, so passt es richtiger in meine Geschichte.
Egal wie, das wesentlich ist dass wir uns köstlich amüsierten, ich und er. Was mich betrifft so bin ich mir darüber sicher, denn die Zeit verging wie der Wind. Seitens des Vogels kann ich es nur vermuten, aber wenn es nicht so gewesen wäre, warum blieb er, warum flog er nicht weg? Ausserdem, wenn man es genau überlegt, was kann denn schöner sein als ein Gespräch zu zweit, wo das Gesprochene auch angehört, das Gesagte auch verstanden wird, bis in die Details, und noch dazu, in beiden Richtungen?
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