Donnerstag, 30. Juni 2022

Meine Reise in Heines deutsches Wintermärchen - Teil 10

 

CAPUT XXV

  

Die Göttin hat mir Tee gekocht
Und Rum hineingegossen;
Sie selber aber hat den Rum
Ganz ohne Tee genossen.

 An meine Schulter lehnte sie
Ihr Haupt (die Mauerkrone,
Die Mütze, ward etwas zerknittert davon),
Und sie sprach mit sanftem Tone:                       (XXV-8)

 »Ich dachte manchmal mit Schrecken dran,
Daß du in dem sittenlosen
Paris so ganz ohne Aufsicht lebst,
Bei jenen frivolen Franzosen.

 Du schlenderst dort herum und hast
Nicht mal an deiner Seite
Einen treuen deutschen Verleger, der dich
Als Mentor warne und leite.                               (XXV-16)

 Und die Verführung ist dort so groß,
Dort gibt es so viele Sylphiden,
Die ungesund, und gar zu leicht
Verliert man den Seelenfrieden.

 Geh nicht zurück und bleib bei uns;
Hier herrschen noch Zucht und Sitte,
Und manches stille Vergnügen blüht
Auch hier, in unserer Mitte.                             (XXV-24)

Bleib bei uns in Deutschland, es wird dir hier
Jetzt besser als ehmals munden;
Wir schreiten fort, du hast gewiß
Den Fortschritt selbst gefunden.

 Auch die Zensur ist nicht mehr streng,
Hoffmann wird älter und milder
Und streicht nicht mehr mit Jugendzorn
Dir deine 'Reisebilder'.                                    (XXV-32)

 Du selbst bist älter und milder jetzt,
Wirst dich in manches schicken,
Und wirst sogar die Vergangenheit
In besserem Lichte erblicken.

 Ja, daß es uns früher so schrecklich ging,
In Deutschland, ist Übertreibung;
Man konnte entrinnen der Knechtschaft, wie einst
In Rom, durch Selbstentleibung.                         (XXV-40)

 Gedankenfreiheit genoß das Volk,
Sie war für die großen Massen,
Beschränkung traf nur die g'ringe Zahl
Derjen'gen, die drucken lassen.

 Gesetzlose Willkür herrschte nie,
Dem schlimmsten Demagogen
Ward niemals ohne Urteilspruch
Die Staatskokarde entzogen.                               (XXV-48)

 So übel war es in Deutschland nie,
Trotz aller Zeitbedrängnis -
Glaub mir, verhungert ist nie ein Mensch
In einem deutschen Gefängnis.

 Es blühte in der Vergangenheit
So manche schöne Erscheinung
Des Glaubens und der Gemütlichkeit;
Jetzt herrscht nur Zweifel, Verneinung.              (XXV-56)

 Die praktische äußere Freiheit wird einst
Das Ideal vertilgen,
Das wir im Busen getragen - es war
So rein wie der Traum der Liljen!

 Auch unsre schöne Poesie
Erlischt, sie ist schon ein wenig
Erloschen; mit andern Königen stirbt
Auch Freiligraths Mohrenkönig.                     (XXV-64)

 Der Enkel wird essen und trinken genug,
Doch nicht in beschaulicher Stille;
Es poltert heran ein Spektakelstück,
Zu Ende geht die Idylle.

 Oh, könntest du schweigen, ich würde dir
Das Buch des Schicksals entsiegeln,
Ich ließe dir spätere Zeiten sehn
In meinen Zauberspiegeln.                             (XXV-72)

 Was ich den sterblichen Menschen nie
Gezeigt, ich möcht es dir zeigen:
Die Zukunft deines Vaterlands -
Doch ach! du kannst nicht schweigen!«

 »Mein Gott, o Göttin!« - rief ich entzückt -
»Das wäre mein größtes Vergnügen,
Laß mich das künftige Deutschland sehn -
Ich bin ein Mann und verschwiegen.                 (XXV-80)

 Ich will dir schwören jeden Eid,
Den du nur magst begehren,
Mein Schweigen zu verbürgen dir -
Sag an, wie soll ich schwören?«

 Doch jene erwiderte: »Schwöre mir
In Vater Abrahams Weise,
Wie er Eliesern schwören ließ,
Als dieser sich gab auf die Reise.                       (XXV-88)

 Heb auf das Gewand und lege die Hand
Hier unten an meine Hüften,
Und schwöre mir Verschwiegenheit
In Reden und in Schriften!«

 Ein feierlicher Moment! Ich war
Wie angeweht vom Hauche
Der Vorzeit, als ich schwur den Eid,
Nach uraltem Erzväterbrauche.                          (XXV-96)

 Ich hob das Gewand der Göttin auf,
Und legte an ihre Hüften
Die Hand, gelobend Verschwiegenheit
In Reden und in Schriften.

 

 

·         Kapitel XXV, XXVI und XXVII sind, nach meiner Meinung, die wichtigsten Kapitel des Gedichts. Deswegen werde ich die Kommentare ein bisschen ausführlicher schreiben.

 

·         Hammonia, genau wie Heines geliebtes Deutschland, ist eine Gestalt rückständiges Denken. Es ist nicht alles ganz echt an ihr. Obwohl sie Würde ausstrahlt, trinkt sie den Rum auch ohne Tee (XXV-3-4), und die von zackigen Zinnen und Türmchen verzierte Mütze wiedersteht nicht einmal die Zärtlichkeit der Liebe (XXV-7).

 

·         Aus Liebe wird dann gleich Moralität, die sich, wie üblich, mit Vorurteilen mischt. Der Diskurs der Göttin verbindet das sittenlose Paris, die frivolen Franzosen, die Verführung der Sylphiden mit (endlich!) Zucht und Sitte. Dann gibt es noch die moralische Stütze der Arbeit in der Form eines deutschen Verlegers (XXV-9 bis 22).

 

·         Sylphen oder Sylphiden sind mythische Naturgeister, meistens durch zierliche Mädchen repräsentiert. Hammonia benutzt eine Metapher für die Gefahr, die Heine in Paris läuft, von Mädchen verführt zu werden. Er soll nur ihr gehören. Sylphe oder Sylphide kann auch eine Anspielung an der Geschlechtskrankheit Syphilis sein (Pfister).

 

·         Und was bietet Hammonia? Das stille Vergnügen des Fortschritts. Aber vor allem bietet Hammonia Duldsamkeit und Anpassung. Man muss sich halt der Macht fügen, sich seinem Alter ducken. Die Zensur ist nicht mehr so streng, und Heine soll die Vergangenheit in ein besseres Licht erblicken. Es war ja nie so schlimm wie man sagt. Ist ja alles Übertreibung! Der Knechtschaft konnte man doch schon immer durch Selbstentleibung (Freitod) entrinnen. Heine soll in Deutschland bleiben, es wird ihm jetzt besser munden (schmecken). (XXV-23-40).

 

·         Gedankenfreiheit genoss das Volk, und Beschränkungen gibt es immer nur für die, die das Denken auch nach außen tragen wollen. Willkür gab es nie, denn dafür gibt es das Gesetz, und nie wird eine Staatskokarde ohne Urteilspruch entzogen (XXV-41-48).

 

·         Verhungert ist nie ein Mensch in einem deutschen Gefängnis (und außerhalb? Ist diese Aussage auch für das XX Jahrhundert gültig? Übrigens, ist sie für das XIX Jahrhundert tatsächlich gültig?). Positiv denken soll man, d.h., es sollen Glaube und Gemütlichkeit statt Zweifel und Verneinung herrschen (XXV-49-56).

 

·         Heine ist prophetisch als er Hammonia sagen lässt, dass die praktische Freiheit (des Kapitalismus) den deutschen Idealismus schon vertilgen wird (XXV-57-58). Und die Göttin wirft alles in ein und denselben Topf: den deutschen Idealismus und die Französischen Revolution. Aufklärung ist nichts weiter als Träumerei (diese Art Argument hört man noch heute auf der Straße) (XXV-59-60).

 

·         Eine andere widersprechende Interpretation sieht in den Ausdruck Traum der Lilien die Restauration (die Lilie war das Symbol für das Haus Bourbon, dass mehrere französische Könige, darunter Ludwig XV und XVI, lieferte). Es wird also dann deutscher Idealismus (das Ideal das wir im Busen tragen) mit Restauration assoziiert. Beide sind Ausdrücke der Reinheit, meint die hochbusige Göttin. (XXV-60).

 

·         Heine prophezeit weiter, indem er Hammonia auf sanfter Weise klagen lässt. Es kommt das Zeitalter des Spektakels (siehe Gesellschaft des Spektakels). Mit dem Ende der Biedermeierzeit kommt eine polternde Ära. Zu Ende geht Stille und Idylle. Schweigen wird keiner mehr. (XXV-65-68).

 

·         Der Mohrenfürst ist ein Gedicht von Ferdinand Freiligrath (siehe http://www.gedichte.eu/kl/freiligrath/gedichte/der-mohrenfuerst.php). Dort wird der Held, um die Schultern die Löwenhaut, in einer Schlacht besiegt, obwohl er sich mit seiner Geliebten für den Sieg schon vorbereitet hatte. Er endet in Sklaverei und als Trommler eines Zirkusses. Das Gedicht wird in Heines Atta Troll mehrmals erwähnt. Freiligrath gehört zur Tendenzpoesie (siehe Kapitel II und XII), gegen die sich Heine kritisch positioniert hat. In Anspielung auf Freiligraths Gedicht hat Heine im Romanzero den Mohrenkönig geschrieben. Zwei verschiedene Welten treten hier auf. Der Mohrenfürst spielt sich im exotischen Afrika ab, an den Ufern des Nigers, Palmen, Zelte, Koralle, Federn vom Strauße, Schlangen, Trommeln mit Schädeln behangen. Der Schwerpunkt ist das Exotische. Das Andere, Fremde (in diesem Fall der Mohr und seine Kultur) als exotisch herauszustellen ist natürlich eine politische Haltung, die nicht sehr progressiv ist. Entsprechend den Bildern ist auch die üppige Sprache Freiligraths. Realistischer, spielt sich der Mohrenkönig in Andalusien, Spanien, ab. Freiligrath beschreibt die Tragik einer Niederlage. Heine feiert sie. (XXV-64).

 

·         In XXV-63 wird das Ende der Monarchie (das Aussterben der Könige) mit der Niederlage des Mohrenfürst assoziiert.

 

·         Heine geht auf die Aussagen der Göttin gar nicht ein. Als sie ihn aber mit der Sicht Deutschlands Zukunft lockt, ist er entzückt, und vergisst alle Einwände, die er gegen ihre Äußerungen haben könnte. Er ist zu allem bereit. Vor allem ist er bereit zu schweigen, was ihm als politischer Dichter besonders schwierig fällt (XXV-69-80).

 

·         Heine ist zu jedem Eid bereit und Hammonia verlangt, dass er sein Schweigen auf Abrahams Weise beschwört. Um dies besser verstehen zu können, habe ich das Buch Genesis, Kapitel 24, aufgeschlagen (siehe auch https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/gen24.html). Ich bin auf diesem Gebiet nicht sehr bewandert, aber soweit ich es verstehen konnte, handelt es sich um folgende Episode. Abraham war alt und war auf der Suche nach einer Frau für seinen Sohn Isaak. Er stellte seinen Knecht Elieser unter Eid, bat ihn die Hände unter seine Hüfte zu legen, und ließ ihn versprechen keine Frau der Kanaaniter zu nehmen, sondern zu seiner Verwandtschaft in Mesopotamien zu gehen, um dort eine geeignete Ehefrau zu finden. Folgende Fragen überfielen mich: Konnte Isaak seine Frau nicht selber auswählen? Warum durfte es keine Frau der Kanaaniter sein? Vorurteile? Warum überließ Abraham diese wichtige Aufgabe seinem Knecht? Das einzige was ich verstanden habe ist Heines Wonne. Das sollte eigentlich genügen um den Eid zu erklären. Ob alles an, auf oder unter Hammonias Hüften geschehen ist, scheint mir nicht besonders wichtig. Nehmen wir mal an, es war alles zugleich. Es muss ein göttliches Erlebnis gewesen sein. (XXV-81-100).

 

·         Wie wir oben gesehen haben ist die Schwur nach Abrahams Weise mit Ehe verbunden. Wie wir im nächsten Kapitel sehen werden entspricht dies auch Hammonias Absicht (in Bezug auf Heine).

 

·         Was aus dieser Verschwörung von Hammonia mit Heine gegen die Zukunft Deutschlands wird, das sehen wir im nächsten Kapitel.

 

 

CAPUT XXVI

 

 Die Wangen der Göttin glühten so rot
(Ich glaube, in die Krone
Stieg ihr der Rum), und sie sprach zu mir
In sehr wehmütigem Tone:

 »Ich werde alt. Geboren bin ich
Am Tage von Hamburgs Begründung.
Die Mutter war Schellfischkönigin
Hier an der Elbe Mündung.                                     (XXVI-8)

 Mein Vater war ein großer Monarch,
Carolus Magnus geheißen,
Er war noch mächt'ger und klüger sogar
Als Friedrich der Große von Preußen.

 Der Stuhl ist zu Aachen, auf welchem er
Am Tage der Krönung ruhte;
Den Stuhl, worauf er saß in der Nacht,
Den erbte die Mutter, die gute.                               (XXVI-16)

 Die Mutter hinterließ ihn mir,
Ein Möbel von scheinlosem Äußern,
Doch böte mir Rothschild all sein Geld,
Ich würde ihn nicht veräußern.

 Siehst du, dort in dem Winkel steht
Ein alter Sessel, zerrissen
Das Leder der Lehne, von Mottenfraß
Zernagt das Polsterkissen.                                        (XXVI-24)

 Doch gehe hin und hebe auf
Das Kissen von dem Sessel,
Du schaust eine runde Öffnung dann,
Darunter einen Kessel –

 Das ist ein Zauberkessel, worin
Die magischen Kräfte brauen,
Und steckst du in die Ründung den Kopf,
So wirst du die Zukunft schauen -                                 (XXVI-32)

 Die Zukunft Deutschlands erblickst du hier,
Gleich wogenden Phantasmen,
Doch schaudre nicht, wenn aus dem Wust
Aufsteigen die Miasmen!«

 Sie sprach's und lachte sonderbar,
Ich aber ließ mich nicht schrecken,
Neugierig eilte ich, den Kopf
In die furchtbare Ründung zu stecken.                           (XXVI-40)

 Was ich gesehn, verrate ich nicht,
Ich habe zu schweigen versprochen,
Erlaubt ist mir zu sagen kaum,
O Gott! was ich gerochen! - - -

 Ich denke mit Widerwillen noch
An jene schnöden, verfluchten
Vorspielgerüche, das schien ein Gemisch
Von altem Kohl und Juchten.                                            (XXVI-48)

 Entsetzlich waren die Düfte, o Gott!
Die sich nachher erhuben;
Es war, als fegte man den Mist
Aus sechsunddreißig Gruben. - - -

 Ich weiß wohl, was Saint-Just gesagt
Weiland im Wohlfahrtsausschuß:
Man heile die große Krankheit nicht
Mit Rosenöl und Moschus -                                               (XXVI-56)

 Doch dieser deutsche Zukunftsduft
Mocht alles überragen,
Was meine Nase je geahnt -
Ich konnt es nicht länger ertragen - - -

 Mir schwanden die Sinne, und als ich aufschlug
Die Augen, saß ich an der Seite
Der Göttin noch immer, es lehnte mein Haupt
An ihre Brust, die breite.                                                     (XXVI-64)

 Es blitzte ihr Blick, es glühte ihr Mund,
Es zuckten die Nüstern der Nase,
Bacchantisch umschlang sie den Dichter und sang
Mit schauerlich wilder Ekstase:

 »Bleib bei mir in Hamburg, ich liebe dich,
Wir wollen trinken und essen
Den Wein und die Austern der Gegenwart,
Und die dunkle Zukunft vergessen.                                   (XXVI-72)

 Den Deckel darauf! damit uns nicht
Der Mißduft die Freude vertrübet -
Ich liebe dich, wie je ein Weib
Einen deutschen Poeten geliebet!

 Ich küsse dich, und ich fühle, wie mich
Dein Genius begeistert;
Es hat ein wunderbarer Rausch
Sich meiner Seele bemeistert.                                           (XXVI-80)

 Mir ist, als ob ich auf der Straß'
Die Nachtwächter singen hörte -
Es sind Hymenäen, Hochzeitmusik,
Mein süßer Lustgefährte!

 Jetzt kommen die reitenden Diener auch
Mit üppig lodernden Fackeln,
Sie tanzen ehrbar den Fackeltanz,
Sie springen und hüpfen und wackeln.                           (XXVI-88)

 Es kommt der hoch- und wohlweise Senat,
Es kommen die Oberalten;
Der Bürgermeister räuspert sich
Und will eine Rede halten.

 In glänzender Uniform erscheint
Das Korps der Diplomaten;
Sie gratulieren mit Vorbehalt
Im Namen der Nachbarstaaten.                                      (XXVI-96)

 Es kommt die geistliche Deputation,
Rabbiner und Pastöre -
Doch ach! da kommt der Hoffmann auch
Mit seiner Zensorschere!

 Die Schere klirrt in seiner Hand,
Es rückt der wilde Geselle
Dir auf den Leib - er schneidet ins Fleisch -
Es war die beste Stelle.«                                              (XXVI-104)

 

 

·         Die Szene mit Karls des Großen Nachtstuhls ist etwas grob und plump und eigentlich wenig geistreich. Nachdem die Göttin zwischen den Säulen ihres Tempels die Säule des Dichters aufgenommen hat, und er seinen Spaß daran hatte (sie natürlich auch), wollte er noch an den Säulen des Nationalismus rütteln. Die Episode hat natürlich Furore gemacht und geholfen Heine das Stigma des Nestbeschmutzers aufzusetzen. Möglicherweise war es auch seine Absicht. Ein wenig Skandal gehört nun mal zum Geschäft und hilft das Werk zu verkaufen.

 

·         Obwohl ich sehr im Internet und auch anderswo gesucht habe, konnte ich nichts über die Schellfischkönigin finden, weder unter Karl des Großen Ehefrauen (und er hat fünf gehabt), noch unter Hammonias Mutter (hat sie eine gehabt?). Ich nehme an sie war eine Figur aus Hamburgs Dirnenviertel (eine Zuhälterin?), aber, wie gesagt, ich weiß es nicht. (XXVI-7).

 

·         Karl der Große soll, angeblich, Hamburg im IX Jahrhundert gegründet haben (Reclam) (XXVI-10).

 

·         Obwohl es da eine andere Auffassung gibt, handelt es sich, nach meiner Meinung, um zwei Stühle. Der erste, der Stuhl der am Tag der Krönung benutzt wurde, wahrscheinlich ein Symbol der Monarchie, liegt in Aachen. Der zweite, der Nachtstuhl brauender Zukunftsvisionen, ist bei Hammonia und Heine. Tag und Nacht, monarchische Glänze und stinkende Zukunft, beide sind Erscheinungen derselben Instanz. (XXVI 13-16).

 

·         James Rotschild in XXVI-19 war Bankier in Paris (Pfister).

 

·         Mit Bezug auf XXVI-33 u. ff. so will ich mich der Aussage Höhns (S. 130) anschließen: das ... Wintermärchen nicht allzuviel an Kraft und Faszination verloren hat – und schon deshalb nicht verlieren konnte, weil die ganze „Scheiße“ der deutschen Geschichte erst im 20. Jahrhundert so richtig zu stinken angefangen hat.

 

·         Miasma, pl. Miasmen, aus dem Griechischen, sind Bodenausdünstungen, die nach veralteter Annahme Seuchen verursachen; Gift- Pesthauch (Wahrig) (XXVI-36).

 

·         Heine hat beschwört nichts über das Gesehene zu sagen, aber über die Gerüche kann er berichten. Auf diesem Umweg wird von der Zukunft gesprochen, ohne die präziseren Bildeindrücke benützen zu müssen. Heine kann sich an nebelhafte Gerüchte halten. (XXVI-41-44).

 

·         Kohl und Juchten in XXVI-48 steht für die Heilige Allianz. Das Juchtenleder steht für Russland, da man dort das gegerbte Leder mit starkriechendes Birkenteeröl einzureiben pflegte. Kohl steht für Deutschland.

 

·         Die sechsunddreißig Gruben in XXVI-52 entsprechen den sechsunddreißig Staaten des Deutschen Bunds.

 

·         Louis Antoine de Saint Just und der Wohlfahrtsausschuß spielten eine wichtige Rolle in der Französischen Revolution. Saint Just war ein Freund von Robespierre und er meinte, dass man die krankhaften Erscheinungen nicht mit Rosenöl und Moschus ausheilen kann. Er nahm damit Bezug auf die Probleme mit denen sich eine Revolution konfrontieren muss, und er benutzte die Aussage als eine Rechtfertigung der Gewalt (siehe XXVI-53-56).

 

·         Weiland = damals, dereinst. (XXVI – 54).

 

·         Bacchanten waren die Diener des Weingottes Bacchus (Dionysos). Bacchantisch steht für ausschweifend, trunken (XXVI-67).

 

·         Die Göttin setzt einen Deckel auf die fürchterlichen Gerüche / Gerüchte der Zukunft. Sie will sich mit Heine der Gegenwart geben. Wie wir sehen werden, verwahrt aber die Gegenwart Überraschungen (XXVI-69-72).

 

·         Hymnäen = Hymnen (XXVI-83).

 

·         Zwischen (XXVI-68) und (XXVI-69) befinden sich in der Reclam Version drei Strophen. Hammonia singt Heine das Lied: [„Es ist ein König in Thule, der hat / Ein’n Becher, es geht ihm nichts drüber, / Und wenn er aus dem Becher trinkt, / Dann gehen die Augen ihm über. // Dann steigen ihm Gedanken auf, / Die kaum sich ließen ahnden, / Dann ist er kapabel und dekretiert, / Auf dich, mein Kind, zu fahnden. // Geh nicht nach Norden, und hüte dich / Vor jenem König in Thule, / Hüt dich vor Gendarmen und Polizei, / Vor der ganzen historischen Schule.]. Der König von Thule ist eine Ballade von Goethe aus dem Jahr 1774. Die Ballade spricht von der Liebe des Königs zu seiner Frau / Geliebten, von der er den goldenen Becher bekommen hat. Die Ballade erscheint in Goethes Faust und wird von Gretchen gesungen, weil auch sie von ewiger Liebe träumt. Heine, der wahrscheinlich für ewige Liebe nicht viel Verständnis hatte, hat später eine Parodie auf das Lied im Gedicht Der neue Alexander gemacht. Dort ist Alexander ein Prahler und das Gedicht wird zu einer Art Trinkspruch. Hier im Wintermärchen wird mit dem mythischen Thule wahrscheinlich Preußen gemeint. Wenn der König von Preußen zuviel trinkt (und nicht nur wenn er zuviel trinkt), dann steigen ihm Gedanken auf, und es kann sein, dass er nach Heine fahnden lässt. Heine soll vorsichtig sein und nicht nach dem Norden reisen. Sowohl in Der neue Alexander als auch hier im Wintermärchen wird von der historischen Schule gesprochen. Die Historische Rechtsschule, um Friedrich Carl von Savigny (1779-1861), entstand im Zeichen der Romantik und des Klassizismus (Wikipedia.de). Sie verstand Recht als wandelbarer Teil der Kulturhistorie eines Volkes, und wendete sich gegen das aufgeklärte Vernunftrecht. Das Recht sollte also vorwiegend Sitten und Gebräuche (des Status quo) und nicht Vernunft und Verstand (Aufklärung) sein. Kurz gesagt: es soll alles so bleiben wie es ist.

 

·         Verursacht durch die fürchterlichen Gerüche schwinden Heines Sinne. Als er aufweckt ist er an Hammonias Seite. Sie ist in den Dichter verliebt. Er soll in Hamburg bleiben, und sie sollen die Liebe mit den Wein und die Austern der Gegenwart feiern. Es entsteht eine Parodie auf die Hochzeit zwischen Paisteteros (auch Peisthetairos genannt) und Basileia aus der Komödie die Vögel von Aristophanes (mehr dazu in Kapitel XXVII). In diesem Bühnenstück (erstmals aufgeführt 414 v.Chr.) versuchen die Vögel die Macht über Athen zu ergreifen. Sie werden von Paisteteros geführt, der Athen verlässt, um eine neue Stadt zu gründen. Aristophanes kritisierte das machtgierige Athen von Perikles. Beide, Athen und Hamburg, sind Stadtstaaten. Damit ergibt sich die Möglichkeit interessanter Vergleiche.

 

·         Bei der Hochzeit von Heine und Hammonia, wie bei der Hochzeit von Paisteteros und Basileia erscheint die Obrigkeit: die reitenden Diener, der Senat, die Oberalten, der Bürgermeister, der Korps der Diplomaten und die geistliche Deputation. Aber das Schlimmste kommt zuletzt: Dr. Friederich Ludwig Hoffmann, der von 1822 bis 1848 Zensor in Hamburg war, schneidet die beste Stelle Heines ab. Damit wird die Verwirklichung Heine und Hammonias Liebe unmöglich gemacht. (XXVI-85-104).

 

·         Die Hochzeit zwischen Hammonia und dem Dichter kann als ein Versuch einer Versöhnung zwischen Heine und Deutschland ausgelegt werden. Die Zensur steht dazwischen.

 

·         Mit der Szene des Zauberkessels / Zukunftsdämpfe hält sich Heine wieder einmal stark an der griechischen Mythologie. Hier handelt es sich um die Sage um Pythia und der Orakel von Delphi. Um einen Tempel in Delphi errichten zu können, tötet Apollon den Drachen Python. Der Name Python wurde erst nachträglich gegeben und wurde hergeleitet durch den unter den Strahlen der Sonne (Apollon) verfaulenden Leichnam des Drachens. Pythia ist die weissagende Priesterin des Tempels, die, inspiriert durch die steigenden Dünste, ihre Prophezeiungen macht (siehe auch https://en.wikipedia.org/wiki/Pythia#/media/File:John_Collier_-_Priestess_of_Delphi.jpg).

 

·         Der Drache (oder die Schlange) Python hatte hellseherische Fähigkeiten. Durch sein Tod entstehen Dünste (siehe oben), die Pythia in ihren Zukunftsvisionen inspirieren. Diese sind mit Python / Pythia, dessen Wurzel die Fäulnis ist, assoziiert. Zukunftsvisionen = Fäulnis? Zukunft = Tod?

 

·         Es ist interessant zu bemerken, dass in Heines Gedicht, wie in einen Zyklus, gewisse Themen des Anfangs, am Ende wiederkehren. So z.B. die Musen. Am Anfang gibt es das Harfenmädchen; am Ende gibt es Hammonia. Am Anfang gibt es die Heirat von Europa und die Freiheit; am Ende gibt es die Heirat von Heine und Hammonia. Heirat ist ein Symbol der Vereinigung, der Einigkeit. (Natürlich kann auch die Heirat den Machtansprüchen dienen, so in der Monarchie und in gehobenen Kreisen der Gesellschaft.) 

 

 

CAPUT XXVII

 

 

Was sich in jener Wundernacht
Des weitern zugetragen,
Erzähl ich euch ein andermal,
In warmen Sommertagen.

 Das alte Geschlecht der Heuchelei
Verschwindet, Gott sei Dank, heut,
Es sinkt allmählich ins Grab, es stirbt
An seiner Lügenkrankheit.                                     (XXVII-8)

 Es wächst heran ein neues Geschlecht,
Ganz ohne Schminke und Sünden,
Mit freien Gedanken, mit freier Lust -
Dem werde ich alles verkünden.

 Schon knospet die Jugend, welche versteht
Des Dichters Stolz und Güte,
Und sich an seinem Herzen wärmt,
An seinem Sonnengemüte.                                    (XXVII-16)

 Mein Herz ist liebend wie das Licht,
Und rein und keusch wie das Feuer;
Die edelsten Grazien haben gestimmt
Die Saiten meiner Leier.

 Es ist dieselbe Leier, die einst
Mein Vater ließ ertönen,
Der selige Herr Aristophanes,
Der Liebling der Kamönen.                                   (XXVII-24)

 Es ist die Leier, worauf er einst
Den Paisteteros besungen,
Der um die Basileia gefreit,
Mit ihr sich emporgeschwungen.

 Im letzten Kapitel hab ich versucht,
Ein bißchen nachzuahmen
Den Schluß der »Vögel«, die sind gewiß
Das beste von Vaters Dramen.                                       (XXVII-32)

 Die »Frösche« sind auch vortrefflich. Man gibt
In deutscher Übersetzung
Sie jetzt auf der Bühne von Berlin,
Zu königlicher Ergetzung.

 

Der König liebt das Stück. Das zeugt
Von gutem antiken Geschmacke;
Den Alten amüsierte weit mehr
Modernes Froschgequacke.                                        (XXVII-40)

 Der König liebt das Stück. Jedoch
Wär noch der Autor am Leben,
Ich riete ihm nicht, sich in Person
Nach Preußen zu begeben.

Dem wirklichen Aristophanes,
Dem ginge es schlecht, dem Armen;
Wir würden ihn bald begleitet sehn
Mit Chören von Gendarmen.                                        (XXVII-48)

 Der Pöbel bekäm die Erlaubnis bald,
Zu schimpfen statt zu wedeln;
Die Polizei erhielte Befehl,
Zu fahnden auf den Edeln.

 O König! Ich meine es gut mit dir,
Und will einen Rat dir geben:
Die toten Dichter, verehre sie nur,
Doch schone, die da leben.                                           (XXVII-56)

 Beleid'ge lebendige Dichter nicht,
Sie haben Flammen und Waffen,
Die furchtbarer sind als Jovis Blitz,
Den ja der Poet erschaffen.

 Beleid'ge die Götter, die alten und neu'n,
Des ganzen Olymps Gelichter,
Und den höchsten Jehova obendrein -
Beleid'ge nur nicht den Dichter!                                     (XXVII-64)

 Die Götter bestrafen freilich sehr hart
Des Menschen Missetaten,
Das Höllenfeuer ist ziemlich heiß,
Dort muß man schmoren und braten –

 Doch Heilige gibt es, die aus der Glut
Losbeten den Sünder; durch Spenden
An Kirchen und Seelenmessen wird
Erworben ein hohes Verwenden.                                      (XXVII-72)

 Und am Ende der Tage kommt Christus herab
Und bricht die Pforten der Hölle;
Und hält er auch ein strenges Gericht,
Entschlüpfen wird mancher Geselle.

 Doch gibt es Höllen, aus deren Haft
Unmöglich jede Befreiung;
Hier hilft kein Beten, ohnmächtig ist hier
Des Welterlösers Verzeihung.                                           (XXVII-80)

 Kennst du die Hölle des Dante nicht,
Die schrecklichen Terzetten?
Wen da der Dichter hineingesperrt,
Den kann kein Gott mehr retten –

 Kein Gott, kein Heiland erlöst ihn je
Aus diesen singenden Flammen!
Nimm dich in acht, daß wir dich nicht
Zu solcher Hölle verdammen.                                          (XXVII-88)

 

 

 

·         Dies ist das letzte Kapitel des Gedichts. Meine Reise in Heines deutsches Wintermärchen ist somit beendet.

 

·         Man vergleiche die Strophe in Kapitel I (I-33-36), Ein neues Lied, ein besseres Lied, / O Freunde, will ich euch dichten! / Wir wollen hier auf Erden schon / Das Himmelreich errichten, mit der entsprechende Strophe in Kapitel XXVII (XXVII-9-12), Es wächst heran ein neues Geschlecht, / Ganz ohne Schminke und Sünden, / Mit freien Gedanken, mit freier Lust - / Dem werde ich alles verkünden. Sowohl Anfang als auch Ende des Gedichts sind mit Hoffnung verbunden.

 

·         In XXVII-8 gibt es ein Wortspiel Lügenkrankheit / Lungenkrankheit. Vergleiche auch schwinden (von verschwindet) mit Schwindsucht, die meistens die Lunge angreift.

 

·         Wie wir bereits schon mehrmals gesagt haben, steht Sonne für Aufklärung. Heine versteht sich als Aufklärer (XXVII-16). In demselben Sinn folgt dann Licht und Feuer. Prometheus, z.B., versucht das Feuer (des Wissens) der Götter, den Menschen zu übergeben, und wird deswegen bestraft. (XXVII-17-18).

 

·         Die drei Strophen die folgen (XXVII-21-32) beziehen sich auf die Komödie Die Vögel von Aristophanes, die wir schon in Kapitel XXVI erwähnt haben. Aristophanes wird von Heine auch Mein Vater genannt.

 

·         Eine Kämone ist eine italische Quellnymphe (auch Najaden genannt), bzw. eine Muse (Duden). Sie erscheint auch in Schillers Die Götter Griechenlands. (XXVII-24).

 

·         Freien = um einen Mann / Frau werben (XXVII-27).

 

·         In Aristophanes Die Vögel verlässt Paisteteros Athen um eine neue Stadt, wo Geld keine Rolle mehr spielt, zu gründen. Er kommt an dem Palast des Königs der Vögel, und versucht diesen zum Bau einer neuen Stadt im Himmel zu überzeugen. Zwischen Menschen und Göttern würden so die Vögel Macht über beide haben. Die Stadt wird gebaut und Paisteteros verlangt von Zeus Basileia, Tochter von Gaia (Erde) und Uranos (Himmel), als Gemahlin. In dem letztem Akt gibt es die Hochzeit der beiden. (Wikipedia.de).

 

·         Obwohl ich nichts in dieser Richtung gelesen habe (es mag auch sein, dass ich es einfach vergessen oder überschaut habe) wollte Heine mit der Emphase auf das Stück von Aristophanes wahrscheinlich auf die Revolution andeuten. Das diese von Tieren ausgeht ist gar nicht so ungewöhnlich (siehe Die Bremer Stadtmusikanten oder Farm der Tiere von Orwell). Das es Vögel sind, kann auf die Rolle der Kunst hinweisen. Das die Revolte nicht nur gegen die Menschen aber auch gegen die Götter gerichtet ist, kann eine Besonderheit Heines sein. Meistens werden die Götter ausgeschlossen, weil man der Ansicht ist, dass es sie nicht gibt. Vielleich bedeuten die Götter auch das Schicksal, gegen das man sich zu erheben versucht.

 

·         Auch Die Frösche ist eine Komödie des Aristophanes. In diesem Stück versucht Dionysos (der Weingott, auch Bacchus genannt) ein Dichter aus der Unterwelt zu holen, um die schlechten politischen und kulturellen Zustände in Athen zu verbessern. Möglicherweise ist es eine Anspielung auf Preußen und Heines Exil. (XXVII-33-44).

 

·         Als Dionysos den Totenfluss (Acheron) überqueren will, wird er von ein Froschgequacke gestört (XXVII-40).

 

·         Ergetzen ist die veraltete Form von ergötzen und bedeutet sich an etwas zu erfreuen (Wiktionary.de)

 

·         Ich glaube in der Strophe XVII-37-40 gibt es einen Vergleich zwischen Friedrich Wilhelm III und IV. Während Friedrich Wilhelm IV etwas fortschrittlicher war und sogar das Theaterstück Die Frösche liebte, so liebte Friedrich Wilhelm III, der als volkstümlich galt (ist das Volk tümlich?), nur Froschgequacke.

 

·         Obwohl der König das Stück liebt, gibt es keine Garantien, dass er nicht den Dichter, aus politischen Interessen, einsperren lässt (XXVII-41-52).

 

·         Kapitel XXVII endet mit einer Mahnung an dem (preußischen) König. Er soll die toten Dichter ehren und die lebendigen schonen. Sonst... Und nun kommen Flammen, Waffen, Jovis (Jupiter oder Zeus) Blitz und, last but not least, Dantes Inferno.

 

·         Heine meint, die Dichter seien noch mächtiger als die Götter (Größenwahn?), denn die letzteren kann man durch Beten und Spenden kaufen. Und dann gibt es noch das letzte (jüngste) Gericht, auch Apokalypse genannt, wo mancher Geselle entschlüpft. Hier wird eine Kritik an der geistlichen Käuflichkeit gemacht. Keine Befreiung gibt es aber von der Hölle, die ein Dichter durch sein Schreiben schaffen kann. Da hilft kein Beten und nicht einmal des Welterlösers Verzeihung wird dabei von Nutzen sein. Diese Ideen sind aus einer optimistischen und hoffnungsvollen Perspektive (Wunschvorstellung), die das Gedicht schließen soll, zu verstehen. Um all dies zu verdeutlichen bezieht sich Heine auf Dantes Inferno (XVII-81-88). Bedenken sollte man, dass Dante in seiner Divina Commedia allmögliche Feinde und Andersdenkende in seiner Hölle eingeschlossen hat, d.h., er hat das Werk auch als politische Waffe benutzt. Genau das versucht Heine.

 

·         Flammen erscheinen nicht nur in der Hölle. Flammen sind auch ein Symbol für das Licht der Aufklärung. Sonne, du klagende Flamme wurde mehrmals im Kapitel XIV benutzt, um das Licht der Aufklärung heraufzubeschwören. Hier ist nicht mehr von den klagenden, sondern von den singenden Flammen die Rede, eine Anspielung an dem Sieg des Lichts. Die Flamme der Aufklärung klagt nicht mehr, sondern sie singt den Sieg (XXVII-86).

 

·         Es ist interessant die letzten drei Strophen von Kapitel XXVII mit Kapitel VI zu vergleichen. Dort gab es eine Kluft zwischen dem denkenden und den handelnden Ich. Aber am Ende des Gedichts wird das Wort des Dichters zu einer Waffe gemacht in der Form der Flammen des Höllenfeuers. Wenn in Kapitel VI das Wort eher mit Skepsis verbunden ist, sodass man das Beil benötigt, so wird in Kapitel XXVII aus dem Wort Kampfmittel.

 

·         Ich glaube sagen zu können, dass Heines Hoffnungen sich auf drei Stützen basieren (auch Pythia saß auf einen Dreifuß). Einerseits gibt es die Aufklärung, also die Sonne, Licht, Feuer, kurz, das Apollinische. Zweitens gibt es die Dichtung oder Kunst, also das Dionysische (siehe auch Die Frösche, wo Dionysos eine wichtige Rolle einnimmt; Heine sowie Dante benutzen die Dichtung als politische Waffe; später hat Nietzche das Apollinische / Dionysische benutzt). Und als dritte Stütze gibt es die Hölle, also Moral verbunden mit Metaphysik. Ich will es mal sehr vereinfacht, sehr schematisiert, zusammenfassen: die Kunst (der Mensch) schafft eine Verbindung zwischen den Rationalen (also die Struktur, die Ordnung, die Planung) und das Absolute (das Schöne, Gute, usw...). Das ist vielleicht die Synthese Heines Botschaft (wenn man überhaupt davon sprechen sollte). Das Wort wird zum Kampfmittel, wenn es eine Verbindung von Aufklärung und Kunst (also der Schönheit strebend) ist.

 

 

 

 

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