Freitag, 12. Februar 2016

Von den Reizen der Mutterschaft

Dieser Text ist in Wirklichkeit eine Fortsetzung von "Über die Sexualität...der Katzen". Aber so genau ist es nicht zu nehmen und so viel Logik gibt es auch nicht. Wichtig ist zu wissen das Ivan unser Kater ist.


Vater war ich schon mehrmals aber Mutter noch nie. Nun bringt das Alter einige Überraschungen mit sich. Einiges das wir nicht für möglich gehalten hätten, plötzlich ist es da. Z.B. das Stillen. Ich hatte mir schon gedacht dass das seine Reize haben kann: das Wohlbefinden des Kindes, der Beitrag zu seiner Ernährung, der physische Kontakt, das Einssein in der Zweisamkeit, die Wärme fliessend hin und her.

Aber ich hatte keine Ahnung was für ein Genuss es sein kann. Bis Ivan sich in meine Arme einnistete. Es hat seine Zeit gebraucht. Lucia, meine Frau, hat er dazu schon öfters benutzt und ich habe (wieder!) eine Theorie entwickelt, nämlich dass die Tiere das Geschlecht auch bei den Menschen erkennen können und da ihre Präferenzen haben. Nur so konnte ich mir erklären warum er gerade Lucia und nicht mich aufsuchte. Natürlich war es Eifersucht. Wahrscheinlich bin ich zu grob in meinen Liebkosungen, wahrscheinlich knutsche ich ihn zu heftig.

Jedenfalls in der gegenwärtigen Welle der gegenseitigen Entspannung ergab es sich. Vielleicht habe ich mit dem allzu heftigen drücken und quetschen aufgehört, vielleicht hat Ivan die Angst oder den Misstrauen verloren, vielleicht ist er jetzt zuversichtlicher. Mit einen Sprung war er in meinen Armen, suchte es sich bequem zu machen, schnüffelte ein wenig und dann fing er an das Hemd zu nuckeln. Mir kamen die schönsten Gedanken, die wärmsten Gefühle. Er lag da völlig ergeben in Ruhe und Harmonie. Wie schön ist es Objekt der Hingabe zu sein, das volle Vertrauen der Auslieferung zu geniessen. Wie herrlich ist es bei der Entspannung mitzumachen, mitzuwirken, mitzufühlen.

Am Anfang was das treteln allzu heftig, die Krallen schmerzten. Ich nahm die Spitzen zwischen meinen Fingern um ihm die Schärfe zu beweisen. Das verstand er auch und ging dann sanfter und vorsichtiger damit um.

Ich dachte an der Wichtigkeit der Praxis, dass nichts ein Gefühl, eine Empfindung ersetzen kann. Und zuletzt dachte ich an das Maskulin/Feminin und wie schön es ist dass es so ist. Deren Vermischung, Verschmelzung, Verbindung bilden die Brücke die beide Ufer des Flusses, in dem die Sexualität fliesst, zusammenbringt.

Mittwoch, 3. Februar 2016

Lion Feuchtwanger – “Jud Süß” – Aufbau Verlag 1991


Schwach weil gewollt. Geschichten haben eigenes Leben, haben ihren eigenen Lauf, eigenen Rhythmus. Das heisst in Wirklichkeit dass die Sachen eine Entwicklung haben die nicht nur von dem Wille abhängt. Es kommt der Zufall, es kommen Gefühle, es kommen Veränderungen die der Wille nicht erfassen kann, mindestens nicht mit der Geschwindigkeit mit der die Veränderungen eintreten. Da der Wille meistens das Bewusste erfasst, fehlt dabei das Unbewusste. Und wenn man eine Geschichte erzählt muss man dem Unbewussten freien Lauf geben, das Unbewusste muss auch Raum haben, sonst hört sich alles zu gewollt.

Feuchtwangers Plan war, so das Vorwort, durch Jud-Süss das Judentum als eine Synthese von West und Ost darzustellen, was in Wirklichkeit eine Synthese des zivilisatorischen Prozesses bedeuten würde. Das ist natürlich das Judentum nicht! Der Wandel Jud Süss Oppenheimers von einen machbesessenen, genusssüchtigen zu einen gleichgültigen nach Innen kehrenden Menschen ist zu schematisch, zu künstlich und nicht überzeugend. Wenn nicht das Vorwort wäre, hätte ich wahrscheinlich von dieser Idee nichts gemerkt. Dem zweiten Süss ist weniger als ein Drittel des Buches gewidmet, also fühlte sich Feuchtwanger wahrscheinlich im Westen komfortabler. Auch wird der Wandel von West nach Ost, die innerliche Bekehrung und ihre Motivierung nicht hinreichend rechtfertigt, nicht genügend spürbar gemacht.

Nicht mal eine gute Einsicht in das historische (die Herzogtümer des 18. Jahrhunderts) wird durch das Buch gegeben. Klar wird trotzdem die grosse Willkür welcher der normale Mensch unterlag, obwohl Feuchtwanger die politischen und wirtschaftlichen Kräften, denen selbst ein Fürst oder Herzog unterworfen war, zu übersehen versucht.