Donnerstag, 31. März 2016

Katzen und Gedanken


Dieser Text habe ich Anfang 2014 geschrieben aber dann beiseite gelegt. Der letzte Teil war umständlich und ungeschickt formuliert. Jetzt habe ich ihn wieder durchgelesen, der Anfang gefiel mir, das Ende habe ich stark gekürzt. Es erzählt einiges über die Herkunft von Berinjela, unsere Katze.

Die Nacht war schwül, der Mond leuchtete rund und klar. Unsere kleine Strasse ist aufgerissen vom Anfang bis zum Ende, der Olympiade zu Ehren. Auf beiden Seiten des Gehsteiges sammeln sich die Pflastersteine sodass ein Überqueren unmöglich geworden ist. Die Orgie ist in vollem Gange. Es wird getobt, es wird getanzt, es wird gegessen und gefressen. Im Zentrum sind die Unternehmer, die Politiker kriegen die Brocken und wir, die Einwohner, die Abfälle.

Wir näherten uns dem Eingang unseres Hauses. Auf der anderen Seite ein fahl weiss bläuliches Licht. Nanu, der Mond spiegelt sich doch nicht auf Erde und Pflastersteine, dachte ich mir erst. Dann überlegte ich mir besser und glaubte das Rätsel gelöst zu haben mit den Cracksüchtigen der Nachbarschaft. Ich bemass die Entfernung bis zum Eingang unseres Hauses und beschleunigte den Schritt.

Diesmal sollten wir aber geschont bleiben. Ein junges Mädchen kam schon auf uns zu und alles klärte sich. In ihren Händen lag das weiss bläuliche Licht eines Handys. „Ein Problem“, sagte sie, aber ihr Lächeln widerlegte das Wort. Ein kleines Kätzchen hatte sich unter den Steinen verborgen und miaute so verzweifelt dass sie es in ihr Zimmer nicht mehr ausgehalten hatte und runter gekommen war um das Tier zu retten. „Keinesfalls“, sagte ich, und da ich meiner Sache nicht sehr sicher war, argumentierte ich. Erstens, mit den Millionen verhungerten Tieren die sich in der Welt herumtreiben. Zweitens mit dem Kater den wir schon haben, was würde der denn dazu sagen? Und letztlich mit dem Elend auf der Welt. Und ich bekräftige die schwachen Argumente mit einer kräftigen Betonung: „Wir sind doch kein Asyl! Wir können nicht für alle Probleme der Welt zuständig sein. Man bekämpft nicht Übel mit Mitleid und Barmherzigkeit. Paternalismus führt zu nichts!“

Wir nahmen natürlich das Kätzchen auf. Das mit dem Paternalismus, das Übel und deren Bekämpfung stimmt schon, aber es ist doch allzu sehr Kopf. Das mit der Distanz und das Einüben einer Gleichgültigkeit die sich in der Zukunft rechtfertigen soll, das hat schon seine Reize. Dann kommt aber das Kätzchen, das hier und jetzt, und was soll dann von Zukunft geredet werden wenn es keine Gegenwart mehr gibt?