Montag, 27. November 2017

Abschied von München (II) -Bettina – Liebe und Spaltung




Zwischen Richtig und Falsch bewegen sich Welten. Präziser wäre der Singular, denn welche Welt meine ich wenn ich den Plural benutze? Hier beziehe ich mich auf Bettina und mein Verhältnis zu ihr. Es bewegte sich zwischen diese beiden Polen. Warum bereue ich es nämlich und komme doch zu dem Schluss dass ich es heute, wo ich viel reifer und weiser glaube zu sein, genauso gemacht hätte? Es gibt halt Entschlüsse die man nimmt von denen man trotzdem nicht überzeugt ist. Man macht es, aber widerwillig. Spannung, Spalte, Ungewissheit und Zweifel lassen sich nicht immer beseitigen.

Wir haben nie offen darüber gesprochen. Und doch war das Ende deutlich vorauszusehen. Der Tag der Abreise rückte immer näher. Am Anfang nicht ganz deutlich denn an einiges hing ich noch, aber dann wurden die Bänder immer loser die mich an Deutschland fesselten. Vielleicht gerade deswegen vermieden wir das Thema. Ende bedeutet Schmerz und man schiebt es gerne vor sich hin.

War die Liebe nicht stark genug? Reichte Bettina nicht aus um mich in Deutschland zu halten? Liebe ist ein Sammelbegriff. Man liebt den Ort in dem man geboren ist und doch, eines Tages, verlässt man ihn. Liebe ist das was uns mit Vater, Mutter, Töchter und Söhne verbindet und doch sind Trennung und Spaltung erforderlich. Was mich mit mancher schönen Puppe verband auch das nannte ich Liebe und wahrscheinlich war es auch. Wie wären sonst die schlaflosen Nächte zu erklären die dem Treffen vorausgingen, die Spannung und der Rausch während und die Sehnsucht danach? Und trotzdem eines Tages war es zu Ende.

Auch das gibt es in der Liebe: Unruhe, Spaltung und Zerwürfnis. Von Ast zu Ast, von Blume zu Blume, niemals rastend, nirgends bleibend. Im Grunde ist es Angst vor sich selber, vor dem sich geben, vor dem sich öffnen, denn diese können Schmerz und Verletzung mit sich bringen. Unrast ist Flucht davon. Auch das muss man lernen. Leben enthält halt Risiko.

Die Beziehung mit Bettina half mir die Unbeständigkeit zu überwinden. Was war aber der Bestand dieser Beziehung? Ich sträube mich Kopf und Körper, Triebe und Verstand, Freundschaft und Gefühle, Konsonanz und Dissonanz zu trennen und dann Schlüsse zu ziehen was echte Liebe ist. Liebe ist eine Mischung aller dieser Zutaten. Bettina und ich, wir waren eine gute Mischung. Das müsste genügen.

Und doch kam es zur Spaltung weil es zwei Welten gab. Nicht dass diese unüberbrückbar wären. Ich selber bin ja diese Brücke ein Fuss auf jeder Seite. Und ich weiss wieviel Schmerz damit verbunden ist, wie tief der Abgrund sein kann der dazwischen liegt. Ich wollte die Brücke nicht noch schwerer und massiver machen. Nicht aus Beton sollte sie sein. Eine Bambusbrücke sollte sie werden. Schweben, schwingen, tanzen sollte sie, dem Abgrund zum Trotz.