Freitag, 17. Juli 2020

Fellini und die Clowns


Dieser Text ist eine Art Ergänzung/Fortsetzung für „Reime (finden) im Ungereimten“, 2015 geschrieben.

Ich lese im Moment Aufsätze und Notizen von Fellini, allerdings in Portugiesisch. Das Buch ist nichts Besonderes. Ich glaube Fellini ist eher ein Mann der visuellen Bilder, nicht der Wörter. Auch stören mich seine ständige Zweifel am Verstand, seine Ablehnung des Bedachten, Reflexiven und die Apologie des Chaos und des Durcheinanders. Zusätzlich belästigt mich das zu gewollte Antikonventionelle.

Trotzdem bin ich ein großer Bewunderer seiner Werke. Sein 8½ habe ich schon ein dutzend Mal gesehen, und hoffe es noch ein weiteres Dutzend zu sehen, soweit dies mir gelingt. Hat einer Fragen oder Zweifel am Leben, so wird er in 8½ Antworten finden. Die Schönheit antwortet vieles.

Apropos Schönheit, Charlie Rivels Aufführung damals, endete mit den Worten: „München, schön. Zirkus Krone, schön. Wunderschön.“ Und dann kam das Geheul.

So einiges verbindet mich mit Fellini, darunter die etwas melancholische Liebe zum Menschen und die begeisterte Liebe zum Zirkus, besonders zum Clown. Die Welt ist ein Zirkus, ist eine übliche Aussage, und der Clown, mit seiner Tragikomik, ist die Zusammenfassung: ein wenig Akrobat, ein wenig Zauberer, ein wenig Jongleur.

Fellini sagt, dass der Humor eine Art von Perspektive ist, mit der wir die Welt ansehen können. Der Clown fügt das Poetische noch dazu. Da Poesie die Suche nach dem Schönen ist, handelt es sich beim Clown um die Perspektive des Schönen, oder besser, der Versuch das Schöne zu enthüllen.

Fellinis Buch ist eine Mischung von vieles und nichts: Aufsätze über die Zensur, die Rolle der Kritik und des Geldes, die Skizze eines Drehbuches, Briefe, Geschichten, Autobiographisches und nochmal Autobiographisches.

Beim Lesen des Buches, kam ich zu einem Kapitel, das Notizen für den Film Die Clowns, 1971 für das Fernsehen gedreht, enthält. Ich habe mir den Film in der YouTube angesehen, und stieß wieder auf Charlie Rivel und sein Geheul.

Der Zirkus ist vorbei, meinen einige. Die Menschen haben das Lachen verlernt. Ich glaube kaum. Die Welt ist doch ein großer Zirkus, und solange es sie gibt, gibt es auch den Zirkus. Vielleicht wird es nicht mehr das Zelt geben, das mag sein. Aber gibt es große Unterschiede zwischen einen Wellenreiter und einen Kunstreiter? Ist ein Skater nicht eine Art von Akrobat? Zauber macht man doch täglich, um zu überleben, und Clowns trifft man an jeder Ecke. Es sind meistens kleine Clowns, und ihre Clownerie bringt uns höchstens zum Lächeln. Im Fellinis Film werden die komischen Typen, die er auf der Straße in sein heißgeliebtes Rimini trifft, gezeigt. Die Welt ist vollbesetzt mit Harlekinaden.

Obwohl Harlekinaden die Welt besetzten, ist Schönheit meistens nicht dabei. Schönheit muss man schaffen. Man muss Schönheit suchen, bzw. entdecken. Schönheit ist eine Sache der Perspektive. Reime finden in dem Ungereimten.