Einleitung
Ich hatte schon mehrmals das Büchlein durchgeblättert. Aber richtig gelesen, von A bis Z, habe ich es erst in 2000. Es hat mir nicht gefallen. Ich habe zu wenig verstanden.
Heines langes Gedicht, eingeteilt in siebenundzwanzig Kapitel, ist nicht leicht zu verstehen. Es ist voll von geschichtlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Referenzen. Dazu kommen noch die feine Ironie, die Symbolik und Metaphern. Zum Teil benutzt Heine diese Mittel um die Zensur zu umgehen, zum Teil gehört es zu seinem Stil.
Diesmal habe ich mir Zeit genommen. Ich wollte nicht nochmals dieselben Fehler begehen. Habe versucht etwas mehr über die historischen Hintergründe zu erfahren, und auch sonst habe ich einige Kommentare zu dem Gedicht gelesen.
Es hat sich gelohnt. Ich habe mich nicht nur köstlich amüsiert, unzählige Male laut gelacht, sondern ich habe auch einen Freund gefunden, besser gesagt, ich habe einen alten Freund neu entdeckt. Er spricht mir aus dem Herzen: die Liebe zur Ironie, zur Selbstironie, der leichte Hang zur Obszönität, das schamlose Öffnen der Gefühle, die etwas exhibitionistische Tendenz seine intimsten Gedanken zu exponieren. Bei Heine findet man auch die Aversion gegen das Spießbürgerliche, und die Attraktion für das Antikonventionelle, die mir höchst sympathisch sind. Die Geschichte wird von ihm immer leicht und unförmlich angesprochen. Ich finde das gut. Geschichte muss interpretiert werden, damit man sie versteht, und die Reverenz schadet dem Verstand.
Da ist z.B. das Treffen mit der Hammonia, in den berüchtigten Quartieren Hamburgs (Kapitel XXII u. ff.). Als der Protagonist mit der Göttin die Treppen, die zu ihr Kämmerlein führen, hoch steigt, nachdem beide reichlich Spaß miteinander hatten, zeigt sie ihm den Sessel des Vaters. Dort hat Carolus Magnus seine Notdurft verrichtet, und dort soll der Protagonist die Zukunft Deutschlands erblicken [1].
Zu dem Skatologischen gehört noch die Szene mit der Beschreibung des Kots Deutscher Straßen, und die Mistküchlein der Pferde die die Kutsche ziehen (Kapitel VIII). Der Vergleich der Küchlein mit den goldenen Äpfeln der Atalante ist einer der vielen feinen Verbindungen mit einer altgriechischen Saga, die Heine macht.
Bei Heine fühle ich mich zu Hause. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten fand ich bei ihm den Weg zu der weiten Weide, wo ich meine Herde frei laufen lassen kann.
Auch von der politischen Linie gibt es da viele Affinitäten. Heine war mit Marx und Engels befreundet, und hat doch Saint-Simon, der zu den utopischen Sozialisten zählt, bevorzugt. Warum? Vielleicht weil die ganze Politik doch nicht so ernst zu nehmen ist, und weil doch etwas Metaphysik dazu gehört, um das Leben besser zu verstehen. Oder, weil die Brüder zu wenig künstlerisch gesinnt waren, und das Ästhetische vernachlässigt haben. Schönheit ist fundamental, und ein gewisser Ausgleich zwischen den Apollinischen und den Dionysischen gehört nun Mal zum Gleichgewicht. Vielleicht auch waren sich die Beiden ihrer Sache zu gewiss. Der Zweifel am Glauben und der Glaube am Zweifel gehören nun mal zum Abstand und zum Humor. Und wo es keinen Abstand und keinen Humor gibt, da gibt es keine Kritik; wo es keine Kritik gibt, da kann die Kunst nicht währen, und wo die Kunst nicht währt, da währt auch keine Politik. Das wusste Heine wahrscheinlich.
So viel Gutes wollte ich nicht alleine genießen. Man setzt sich nicht am Tisch und verkostet die Speise ohne Unterhaltung. Man verschlingt dann das Essen zu hastig, und verdirbt sich noch den Magen.
Außerdem, scheint mir der Aufwand, mit dem das Lesen des Gedichts verbunden ist, kleiner, wenn ich die damit verbundenen Vorzüge mit anderen teilen kann. Zwar geht die Idee der Privatisierung der Kosten und der Sozialisierung der Privilegien in der Gegenströmung der Gegenwart, aber vielleicht passt sie zu Heine.
Es gibt noch einen dritten Grund Heines Werk hier zu präsentieren. Indem ich das Ganze nochmals durcharbeite, kann ich seine Gesellschaft noch ein paar Monate genießen.
Was ist der Plan? Der Plan ist Heines Werk, Kapitel für Kapitel, hier zu bringen. Am Ende jedes Kapitels schreibe ich einige Kommentare mit Ideen, Bemerkungen, Erläuterungen usw. Vor den Kapiteln kommt eine Einführung, die aus drei Teilen besteht. Der erste Teil ist diese Einleitung. Der zweite Teil bringt einen kurzen Überblick deutscher Geschichte der ersten Hälfte des XIX Jahrhunderts. Der dritte Teil bringt die Quellen die ich benutzt habe. Da die Arbeit noch nicht vollständig geschrieben ist, kann natürlich noch weiteres Material, das ich dann gesondert zitieren werde, dazu kommen.
Bin ich diesen Zielen überhaupt gewachsen? Das weiß ich nicht. Auch wenn ich es wüsste, würde ich es nicht sagen. Wenn die Antwort nein wäre, dann stünde sie hier nicht. Wenn die Antwort ja wäre, dann würde ich mich schämen sie zu geben.
Wie lange werde ich für diese Arbeit brauchen? Siebenundzwanzig Kapitel, Heines Vorwort plus drei einführende Teile ergeben genau einunddreißig Beiträge. Ein Beitrag pro Woche, plus Pausen, Ferien, Reisen, usw. usf. gibt, schätzungsweise, ein bis zwei Jahre. Werde ich es überleben? Auch diese Frage kann ich nicht beantworten.
Was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass ihr, die Leser, das Recht habt Einspruch gegen diesen Plan zu erheben (deswegen steht er auch hier). Ich sollte mich lieber mit dem deutschen Brasilien beschäftigen. Ich werde es mir überlegen, und folge vielleicht den Rat.
Zwischen voller Ablehnung oder voller Zustimmung, gibt es natürlich eine ganze Reihe Alternativen. Diese sollte man vielleicht benutzen. Ich werde sicherlich Fehler machen. Weil es viel Material ist, weil ich kein Experte, weder in deutscher Geschichte, noch in Heine bin, weil ich nicht alles weiß, weil das Ziel zu anspruchsvoll ist, weil, weil, weil... Ich bin jedem dankbar, der die Fehler aufdeckt und korrigiert (man muss mich dann nicht gleich Idiot nennen, oder mir böse Absichten vorwerfen). Nicht nur für Fehler, sondern auch für Hinweise auf Verbesserungen (soweit diese nicht zu aufwendig sind) bin ich dankbar. Sind die Vorschläge sehr aufwendig, so freue ich mich wenn, zusammen mit der Aufgabe auch die Lösung mitgeliefert wird.
Um mögliche Ärger und Differenzen zu ersparen, muss ich schon im vornherein den Leser von der Subjektivität meiner Auslegungen warnen. Ich bin der Meinung, dass es reine Objektivität nicht gibt, und dass die, die das Gegenteil behaupten, nur ihre Subjektivität in Objektivität verhüllen wollen. Trotzdem muss ich zugeben, dass vermutlich meine Perspektive von der üblichen abweicht. Ich würde also stark raten nicht vorbehaltlos auf meinen Anschauungen aufzubauen, sondern auch noch andere Auffassungen hinzuzuziehen.
Ich will versuchen die Sache so einfach und anspruchslos wie möglich zu machen. Nur so lässt sich die Aufgabe bewältigen. Ich verzichte auf Vollständigkeit, erwähne nur die wichtigsten Ideen und berücksichtige nicht die Details. Ich will keinesfalls eine wissenschaftliche Arbeit, ein Buch oder eine Dissertation schreiben. Das Material, dass ich hier bringe, basiert auf eine Reihe von Notizen, die ich mir gemacht habe, und sollte als solches betrachtet werden. Der Ton wird immer leger sein, weil er zu mir passt und weil er, so glaube ich mindestens, auch zu Heine passt (ich wollte salopp schreiben, das passt dann aber nur zu mir).
[1] Hammonia ist die Schutzgöttin Hamburgs. Die Stadt wurde von Karl dem Großen gegründet.
Ein kurzer Überblick deutscher Geschichte der ersten Hälfte des XIX Jahrhunderts
Die Wichtigkeit der französischen Revolution kann gar nicht stark genug betont werden. Ein König wird guillotiniert! Und die Ermordung des Königs ist nicht das Ergebnis eines Putschversuchs, eine Folge von Intrigen und Machenschaften, sondern diesmal bewegen Massen die Hebel der Geschichte.
Mit der französischen Revolution wird der Aristokratie einen tödlichen Stoß gegeben. Sie versucht natürlich wieder an der Macht zu kommen, aber der Glanz und die Pracht sind endgültig dahin.
Nicht nur die Privilegien der Aristokratie werden durch die Bewegung erschüttert, es entsteht auch eine neue Staatsform: die Republik. Der Staat wird Res publica, also öffentliche Sache, oder sollte es werden.
Ferner sind die Trennung von Kirche und Staat und wichtige Änderungen in dem Rechtswesen, das jetzt im Dienst des Bürgertums stehen soll, wichtige Errungenschaften der französischen Revolution.
Obwohl Massen die Hebel der Geschichte bewegen, wird kaum jemand heute behaupten, dass die Französische Revolution die Besitzlosen zur Macht verholfen hat. Intellektuelle, Handwerker und Bürgertum behielten immer die Oberhand, und sorgten aufmerksam, den Pöbel fern davon zu halten. Aux armes citoyens, formez vos Bataillons ! In der Marseillaise werden die Bürger (citoyens) und nicht das Volk (peuple) zu den Waffen aufgerufen.
Nun, was hat das alles mit Deutschland zu tun? Ich sollte doch hier deutsche Geschichte bringen? Stimmt. Aber die deutsche Geschichte der ersten Hälfte des XIX Jahrhunderts muss als Reaktion auf die Französische Revolution verstanden werden. Das werden wir im Rest dieses Beitrages sehen, und das ist auch die Perspektive aus der Heines Gedicht geschrieben wurde.
Das Gedicht beginnt an der deutschen Grenze im November. In Wirklichkeit hat Heine seine Deutschlandreise im Oktober 1843 gemacht. Das Ziel war seine Mutter in Hamburg zu besuchen, und geschäftliche Kontakte mit seinen Verleger Campe zu machen. Obwohl es Unterschiede zwischen der wirklichen Reise und das Gedicht, dem Icherzähler und Heine gibt, werde ich, der Einfachheit halber, alles vermischen.
Heines Reise beginnt in Paris. Paris ist die Stadt der Lichter. Wo Licht auch im Sinn der Aufklärung verstanden werden kann. Jedenfalls in Paris, wo Heine sein langjähriges Exil büßt, sprudeln die Ideen, brausen die Gedanken. Im Gegensatz dazu, schläft Deutschland seinen Winterschlaf. Heines Gedicht ist ein Appell an das deutsche aufgeklärte Bürgertum. Es soll aufwachen. Kritisiert werden hauptsächlich die Monarchie, der autoritäre Staatsapparat, der preußische Militarismus, der Nationalismus und die Zensur.
Die Französische Revolution (1789-1799) löst heftige Reaktionen aus. Die Königshäuser in Europa befürchten, dass die revolutionären Ideen ihre friedlichen Bürger anstecken könnten. An den Koalitionskriegen (auch Napoleonische Kriege genannt) gegen Frankreich beteiligen sich hauptsächlich Österreich, Preußen, Russland und Großbritannien (Spanien, Schweden, Neapel und andere deutsche Kleinstaaten waren manchmal auch beteiligt).
Aus diesen Kriegen entspringt Napoleon. Er ist eine Mischung aus Held und Tyrann, und jeder Versuch eine dieser Seiten seiner Persönlichkeit zu verleugnen, führt zur Einseitigkeit. Als Held verteidigt er die Revolution, und führt wichtige Reformen ein. Als Tyrann konzentriert er Macht, ernennt sich selber 1804 zum König (Napoleon I), erobert Länder, führt Kriege, streut Tod und Schmerz unter den Völkern.
Dass ein starker Mann, in eine Revolution umlagert von Feinden, auftaucht, lässt sich wahrscheinlich kaum vermeiden, genauso wie sich nicht vermeiden lässt, dass er sich zum Despot entwickelt. Vergleiche mit dem XX Jahrhundert liegen auf der Hand.
Friederich Wilhelm III regiert das Königreich Preußen von 1797 bis 1840. Nach der Niederlage gegen Napoleon in 1806 (Jena und Auerstedt) führt er Reformen ein.
Preußens erneuter Aufstieg beginnt mit dem Sieg der Alliierten in der Völkerschlacht bei Leipzig in 1813. Der Wiener Kongress (1814-15) versucht eine neue Ordnung in Europa herzustellen. Kurz danach wird die Heilige Allianz gegründet. Teil daran nehmen Zar Alexander (Russland), Franz I (Österreich) und Friederich Wilhelm III von Preußen. Architekt dieser Bündnisse ist Graf Metternich, österreichischer Staatsmann, der die konservativen Kräfte Europas, durch eine Verbindung christlichen Glauben und Monarchie, gegen die nationalen und liberalen Strömungen der Bevölkerung, zu einigen versucht. Die Restauration ist im Gange und strebt eine Wiederherstellung der alten Kräfte.
Durch die Karlsbader Beschlüsse in 1819 werden die Burschenschaften verboten und die Zeitungen kontrolliert. Die Zensur wird verstärkt. Die Gefahr der Ideen und Gedanken wird erkannt [1]. Es folgen die Beschlüsse des Bundestags der Fürsten in 1835, die die Werke des Jungen Deutschlands, eine Bewegung der Heine angehört, verbietet. Die Zensur und die Unterdrückung führen zu einer Flucht ins Privatleben. Auch der Rückzug in die Vergangenheit ist ein Ausweg. Diese Tendenzen bezeichnet man öfters mit dem Wort Biedermeier. Im Gegensatz dazu werden mit Vormärz eher die progressiven Kräfte benannt.
Um die Zensur zu umgehen bedient sich Heine der Ironie, indirekte Wege, Verstellung, Tarnung, Maskierung und Vertauschung von Meinungen. Man erkennt diese Methoden schon am Titel des Gedichts: Deutschland, erstarrt in der Kälte des Winters, bleibt fern der Wirklichkeit wie in einem Märchen. Um die Ideen auf indirekter Weise zu bringen, greift Heine auch öfters zur Mythologie. Hammonia habe ich schon im ersten Beitrag erwähnt. Kapitel XIV bis XVII beschreiben den Besucht Heines bei Kaiser Barbarossa (Rotbart) in seiner Höhle im Kyffhäuser (Harz). Der Kaiser ist ein Symbol für nationale Einheit, und in der Sagensammlung der Brüder Grimm ist seine Figur mit der Hoffnung auf besseren Zeiten verbunden [2]. Heine meint allerdings, dass zwischen einem guten und einem schlechten Kaiser, es besser ist keinen zu haben.
Der Zollverein, der ab 1834 der expansiven Zielsetzung Preußens dient, spielt auch eine wichtige Rolle in Heines Gedicht. Als seine Koffer von den Zollbehörden nach verbotenen Schriften bei dem Grenzübergang durchsucht werden, bemerkt ein Passagier dass der Zollverein das Volkstum begründen und das zersplitterte Vaterland zu einem Ganzen verbinden wird. Zollkontrolle und Zollverein werden dadurch verknüpft und der autoritäre und repressive Charakter des Ersten wird auf den Zweiten übertragen. Apropos Zollverein so lassen sich wieder Assoziationen im XX Jahrhundert mit der Europäischen Gemeinschaft bzw. Union machen.
Zu der Zeit Heines Reise regiert in Preußen Friederich Wilhelm IV. Anfänglich aufgeschlossen, verlagert er mit der Zeit seine Gunst und bekräftigt die konservativen Interessen und das Adelsrecht. Er kann die Erwartungen der konstitutionellen Bewegung nicht befriedigen, und die Unzufriedenheit gipfelt in der 1848er Märzrevolution, eine bürgerliche Bewegung die Nationalismus, Liberalismus und Christentum verbindet. Treibende Kraft waren die Burschenschaften, deren Grundsätze die konstitutionelle Monarchie, Gleichheit aller Deutschen vor dem Gesetz, Abschaffung der Geburtsvorrechte und der Leibeigenschaft, Sicherheit der Person und des Eigentums, Rede- und Pressefreiheit und Förderung der Wissenschaft und Moral waren [3].
Der Märzrevolution 1848 in Berlin geht die Februarrevolution in Frankreich voraus. Sie setzt den Bürgerkönig Louis Philippe ab. Davor gab es die Julirevolution 1830, die Karl X, der den Absolutismus in Frankreich wieder herzustellen versuchte, stürzt. Diese Reihe von Bewegungen in Europa wird zu den bürgerlichen Revolutionen gerechnet. Schritt für Schritt befestigen sie die Macht der Bourgeoisie. Die Zeit zwischen der Juli- und der Märzrevolution wird in Deutschland häufig als Vormärz bezeichnet [4]. Heines Gedicht liefert ein gutes Beispiel der Gedanken dieser Zeit.
Um diesen Überblick zu beenden will ich noch einen Gedanken, der eigentlich wenig mit Heines Gedicht zu tun hat, bringen. Ich bin der Ansicht dass Geschichte ohne Interpretation nicht zu verstehen ist. Um die historischen Fakten zu deuten, braucht man zeitliche Distanz. Heute ist es relativ einfach die Geschichte des XIX Jahrhunderts zu verstehen. Im Gegensatz dazu sind wir den Ereignissen des XX Jahrhunderts leider noch zu nahe. Ob die Geschichte sich wiederholt, ob es nur zwei oder mehrmals, ob das erste Mal als Tragödie und das zweite Mal als Farce ist, darüber lässt sich streiten. Unbestreitbar ist aber, dass man Assoziationen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart machen soll und daraus etwas lernen kann. Ich habe in meinem obigen Beitrag auf einiger dieser möglichen Verbindungen hingewiesen.
Sowohl das XIX als das XX Jahrhundert beginnen mit einer Revolution, die wichtige neue Ideen einführt. In beiden Jahrhunderten folgt eine Reaktion darauf. Trotz möglicher Exzesse, trotz Änderungen, blieb aber der Kern der Ideen der Revolution des XIX Jahrhunderts erhalten. Im XX Jahrhundert werden sie zum Alltag und zur Selbstverständlichkeit. Die Aristokratie gibt es nicht mehr, oder besser gesagt, sie besitzt keine Macht mehr. Dasselbe gilt für die Republik. Und was wird im XXI Jahrhundert aus den Ideen der Revolution des XX Jahrhunderts?
[1] Das Lied Die Gedanken sind frei entsteht zwischen 1810 und 1820 obwohl es frühere Versionen des Texts gibt. Apropos, eine nach meiner Meinung sehr gelungene Aktualisierung des Liedes wird von Konstantin Wecker in https://www.youtube.com/watch?v=cvcTOxXz3gU präsentiert.
[2] Im Kyffhäuserdenkmal wird Friederich I Barbarossa von der Reiterfigur Wilhelms I, der erste Kaiser nach der deutschen Reichsgründung 1871, überragt.
[3] Die Farben der Burschenschaften Schwarz-Rot-Gold werden zu den Nationalfarben.
[4] Einige bezeichnen mit Vormärz die Zeitspanne zwischen 1815 und 1848.
Die Quellen
Als meine Eltern 1937 Deutschland verlassen haben, haben sie die Reise nach Brasilien per Schiff gemacht, sodass sie noch allerlei mitnehmen konnten. Unter den Büchern, befanden sich drei Gesamtausgaben. Schiller, Goethe und Heine waren damals, und sind es wahrscheinlich heute noch, Meilensteine deutscher Literatur.
Als meine Eltern gestorben sind, war die Schiller’sche Sammlung stark beschädigt, ich hatte keine Verbindung zu ihr, hatte kaum etwas davon gelesen, sodass ich sie verschenkt oder weggeworfen habe, so genau weiß ich es nicht mehr. Reine Vorurteile, muss ich heute zugeben. Habe es bereut und mir dann später den Dom Karlos und Die Räuber angeschafft. Werde sie lesen, wenn die Zeit es erlaubt.
Mit Goethe hatte ich schon mehr Verbindung. Werde kaum fünfzehn gewesen sein, als ich die Film-Serie Faust mit Gründgens als Mephistopheles am hiesigen Goethe-Institut gesehen habe. Hätte man mich damals gefragt, was ich denn sein wollte, wenn ich mal Erwachsen wäre, so hätte ich sicherlich Goethes Teufel genannt. Daraus ist nichts geworden. Es fehlt mir wahrscheinlich an Talent.
Auch die Heine’sche Sammlung war stark beschädigt, aber die Liebe zu ihm hat mich veranlasst die Bücher in Leder restaurieren zu lassen. Die Ausgabe ist sehr alt, Bibliographisches Institut Leipzig, herausgegeben von Prof. Dr. Ernst Elster. Datum der Auflage konnte ich nicht finden, aber ich schätze, dass es die erste ist. Das Vorwort von Dr. Elster ist von 1890. Das Papier ist brüchig und stark vergilbt. Man kann es mit sehr viel Vorsicht durchblättern, hier und da mal ein Gedicht lesen, aber nie würde ich ein systematisches Lesen wagen. Das wäre fehlender Respekt vor einem so alten Herrn.
Glücklicherweise habe ich andere Bücher von Heine. Darunter befindet sich der kleine Reclam Band vom deutschen Wintermärchen, ein Geschenk meiner damaligen Freundin in München, siebziger Jahre. Im Gegensatz zu der Gesamtausgabe hat hier der Respekt zu dem Dichter, zu dem Öfteren lesen und durchlesen des Buches geführt, sodass es heute in schlechteren Zustand als die Reliquie ist. Einige Anmerkungen des Reclam Büchleins bringe ich hier, aber im Allgemeinen ist alles sehr trocken und wenig aufschlussreich gebracht. Die hier präsentierte Version des Wintermärchens habe ich von https://www.gutenberg.org kopiert.
Als zweite wichtige Quelle der hier präsentierten Notizen muss ich die Wikipedia nennen. Dass so ein schönes Projekt, das Wissen der Menschheit gemeinsam aufzubauen, trotz gelegentlicher Schwierigkeiten, lebendig bleibt, stärkt unsere Hoffnungen an der Welt. Unzählige Male habe ich die Wikipedia.de aufgesucht. Man muss natürlich vorsichtig sein. Alle Tendenzen und Gesichtspunkte in einen Artikel einzubeziehen ist natürlich unmöglich und führt zu Verwirrung; Objektivität durch Quellenangabe ist Heuchelei, denn es lässt sich genau so viel Unfug damit machen; von Mainstream halte ich nicht viel; davon mal abgesehen, wenn man weiß was man will, wenn man seinen Standpunkt hat und dieser fest verankert ist, wenn man nur punktuell Auskunft sucht, dann ist die Wikipedia von großen Nutzen.
Eine Reihe von kleineren Texten aus www.deutschlandfunk.de, www.inhaltsangabe.de, www.getabstract.com, mit einer Zusammenfassung und Beschreibung der wichtigsten Ideen haben einen Einstieg in das Wintermärchen ermöglicht. Als Einführung war der Artikel The Broken Heart and the Accusing Flame von Richard W. Hannah, Colloquia Germania, 14, 4 (1981) nützlich. Auch sonst habe ich so einiges im Internet aufgesucht, zuviel um hier Angaben machen zu können.
Das Heine Handbuch von Gerhard Höhn, Verlag J.B. Metzler, Deutschland. Ein Wintermärchen, und andere Gedichte von Hartmut Kircher, Oldenbourg Verlag und Königs Erläuterungen und Materialien zu Heinrich Heine, Deutschland Ein Wintermärchen von Wolfgang Pfister, haben eine Vertiefung in das Gedicht erlaubt, und eine ganze Reihe von Anregungen zu den Notizen gegeben.
Ein spezielles Wort verdient Petra Knuters Dezember 2012 Examensarbeit an der Universität Stockholm, Heinrich Heines Strategien der Zensurumgehung in den versifizierten Reisebildern Deutschland. Ein Wintermärchen. Es handelt sich um eine gute Analyse der Arbeit, inklusive Angaben zum Stil, Beschreibung des Inhalts, mit Schwerpunkt auf die Mittel die Heine benutzt hat um die Zensur zu umgehen. Die Arbeit kann man in www.diva-portal.org finden.
Als letztes will ich die Dissertation Kulturgeographische Wanderungen auf den Spuren Goethes und Heines von Stefan Krüger an der TU Dortmund nennen. Die Arbeit erschien 2010 und kann in https://eldorado.tu.dortmund gefunden werden. Dort wird ein Unterrichtsprojekt präsentiert, dass anhand Werke von Goethe und Heine, besonders das Wintermärchen, Themenschwerpunkte unter kulturgeographische Gesichtspunkte ausarbeitet. Krügers Arbeit war sehr nützlich, um die wichtigsten historischen Tatsachen in Heines Gedicht herauszustellen.
Mit der Angabe der Quellen möchte ich mich nicht meiner Verantwortung entziehen. Fehler sind unvermeidlich und wer was wagt, der wagt auch Fehler zu machen. Das sei meine einzige Entschuldigung.