Samstag, 22. Januar 2022

Meine Reise in Heines deutsches Wintermärchen - Teil 4

 

CAPUT VII

 

Ich ging nach Haus und schlief, als ob
Die Engel gewiegt mich hätten.
Man ruht in deutschen Betten so weich,
Denn das sind Federbetten.

Wie sehnt ich mich oft nach der Süßigkeit
Des vaterländischen Pfühles,
Wenn ich auf harten Matratzen lag,
In der schlaflosen Nacht des Exiles!                         (VII-8)

Man schläft sehr gut und träumt auch gut
In unseren Federbetten.
Hier fühlt die deutsche Seele sich frei
Von allen Erdenketten.

Sie fühlt sich frei und schwingt sich empor
Zu den höchsten Himmelsräumen.
O deutsche Seele, wie stolz ist dein Flug
In deinen nächtlichen Träumen!                              (VII-16)

Die Götter erbleichen, wenn du nahst!
Du hast auf deinen Wegen
Gar manches Sternlein ausgeputzt
Mit deinen Flügelschlägen!

Franzosen und Russen gehört das Land,
Das Meer gehört den Briten,
Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft unbestritten.                                    (VII-24)

Hier üben wir die Hegemonie,
Hier sind wir unzerstückelt;
Die andern Völker haben sich
Auf platter Erde entwickelt. - -

Und als ich einschlief, da träumte mir,
Ich schlenderte wieder im hellen
Mondschein die hallenden Straßen entlang,
In dem altertümlichen Köllen.                                     (VII-32)

Und hinter mir ging wieder einher
Mein schwarzer, vermummter Begleiter.
Ich war so müde, mir brachen die Knie,
Doch immer gingen wir weiter.

Wir gingen weiter. Mein Herz in der Brust
War klaffend aufgeschnitten,
Und aus der Herzenswunde hervor
Die roten Tropfen glitten.                                             (VII-40)

Ich tauchte manchmal die Finger hinein,
Und manchmal ist es geschehen,
Daß ich die Haustürpfosten bestrich
Mit dem Blut im Vorübergehen.

Und jedesmal, wenn ich ein Haus
Bezeichnet in solcher Weise,
Ein Sterbeglöckchen erscholl fernher,
Wehmütig wimmernd und leise.                                    (VII-48)

Am Himmel aber erblich der Mond,
Er wurde immer trüber;
Gleich schwarzen Rossen jagten an ihm
Die wilden Wolken vorüber.

Und immer ging hinter mir einher
Mit seinem verborgenen Beile
Die dunkle Gestalt - so wanderten wir
Wohl eine gute Weile.                                                     (VII-56)

Wir gehen und gehen, bis wir zuletzt
Wieder zum Domplatz gelangen;
Weit offen standen die Pforten dort,
Wir sind hineingegangen.

Es herrschte im ungeheuren Raum
Nur Tod und Nacht und Schweigen;
Es brannten Ampeln hie und da,
Um die Dunkelheit recht zu zeigen.                                (VII-64)

Ich wandelte lange den Pfeilern entlang
Und hörte nur die Tritte
Von meinem Begleiter, er folgte mir
Auch hier bei jedem Schritte.

Wir kamen endlich zu einem Ort,
Wo funkelnde Kerzenhelle
Und blitzendes Gold und Edelstein;
Das war die Drei-Königs-Kapelle.                                  (VII-72)

Die Heil'gen Drei Könige jedoch,
Die sonst so still dort lagen,
O Wunder! sie saßen aufrecht jetzt
Auf ihren Sarkophagen.

Drei Totengerippe, phantastisch geputzt,
Mit Kronen auf den elenden
Vergilbten Schädeln, sie trugen auch
Das Zepter in knöchernen Händen.                                  (VII-80)

Wie Hampelmänner bewegten sie
Die längstverstorbenen Knochen;
Die haben nach Moder und zugleich
Nach Weihrauchduft gerochen.

Der eine bewegte sogar den Mund
Und hielt eine Rede, sehr lange;
Er setzte mir auseinander, warum
Er meinen Respekt verlange.                                        (VII-88)

Zuerst weil er ein Toter sei,
Und zweitens weil er ein König,
Und drittens weil er ein Heil'ger sei -
Das alles rührte mich wenig.

Ich gab ihm zur Antwort lachenden Muts:
»Vergebens ist deine Bemühung!
Ich sehe, daß du der Vergangenheit
Gehörst in jeder Beziehung.                                          (VII-96)

Fort! fort von hier! im tiefen Grab
Ist eure natürliche Stelle.
Das Leben nimmt jetzt in Beschlag
Die Schätze dieser Kapelle.

Der Zukunft fröhliche Kavallerie
Soll hier im Dome hausen,
Und weicht ihr nicht willig, so brauch ich Gewalt
Und laß euch mit Kolben lausen!«                                 (VII-104)

So sprach ich, und ich drehte mich um,
Da sah ich furchtbar blinken
Des stummen Begleiters furchtbares Beil -
Und er verstand mein Winken.

Er nahte sich, und mit dem Beil
Zerschmetterte er die armen
Skelette des Aberglaubens, er schlug
Sie nieder ohn' Erbarmen.                                              (VII-112)

Es dröhnte der Hiebe Widerhall
Aus allen Gewölben, entsetzlich! -
Blutströme schossen aus meiner Brust,
Und ich erwachte plötzlich.

 

  •  Pfühl in VII-6 ist ein Bett.
  •  In deutschen Federbetten schwebt die deutsche Seele frei von allen Erdenketten. Sie schwingt sich empor zu den höchsten Himmelsräumen. Hier werden der deutsche Idealismus und die deutsche Romantik ironisiert (VII-1 bis 28).
  • Träume, Ideen, Ideale. Heines Traum (VII-29) verbindet sich hier mit der deutschen Träumerei.
  •  In D’Allemagne von Madame de Staël wird Deutschland als Land der Dichter und Denker dargestellt. Das Buch prägte jahrzehntelang die Sicht der französischen Elite. Dort wird ein stark idealisiertes Deutschland, als Kontrast und teilweise als Vorbild für ein militaristisches, zentralistisches, von Napoleon diktatorisch regiertes Frankreich präsentiert. Gezeigt wird das Bild eines regionalistisch vielfältigen, musik- philosophie- und literaturbegeisterten, gefühls- und phantasiebetonten, mittelalterlisch-pittoresken, allerdings auch etwas rückständigen Deutschlands (Wikipedia.de).
  •  In VII-37 bis 48 wird eine Episode aus dem Alten Testament (Exodus) erwähnt (siehe Auszug aus Ägypten und die zehn Plagen). Gott schickt den Todesengel um alle Erstgeburten zu töten. Die Kinder Israels sollen ein Lamm schlachten, und mit dem Blut die Pfosten der Türen der Häuser, die verschont werden sollen, streichen. Auch Heine taucht seine Finger in dem Blut seines Herzens, und streicht damit die Haustürpfosten an. Daraufhin erschallen die Sterbeglocken. Also, scheinbar hat in diesem Fall sein schwarzer vermummter Begleiter das Urteil doch vollstreckt. Im Gegensatz zum Alten Testament bedeutet hier das bestreichen der Türpfosten nicht Schutz sondern Tod für die Betroffenen. Warum?
  • In Kapitel IV habe ich schon die Heiligen Drei Könige erwähnt, die von Heine als Symbol für die Heilige Allianz (Preußen, Österreich und Russland) benutzt werden. Hier vereinen sich Theorie und Praxis und zerschmettern das Heiligtum. Aber alles ist nur ein Traum. Heine hat wieder ein Ausweg gefunden, um die Spannung zu brechen!
  •  Das Reimen von König mit wenig in VII-90 und 92 ist eine geschickte Art gewisse Assoziationen zu machen, und gleichzeitig die Zensur zu umgehen.
  •  In dem Kölner Dom befindet sich der Dreikönigenschrein, der die Gebeine der Könige aufbewahrt. Die Reliquien wurden von Erzbischof Rainald von Dassel im Jahr 1164 nach Köln gebracht. Er hatte sie von Kaiser Barbarossa bei der Belagerung Mailands geschenkt bekommen. Man kann Heines Stellungnahme besser verstehen, wenn man bedenkt, dass in der Vergangenheit Reliquien oft mit Aberglauben verbunden waren, und dass der Reliquienhandel öfter zu Exzessen geführt hat. Die Zukunft und nicht die Skelette des Aberglaubens sollen in dem Dom hausen (siehe VII-101-102). Das Leben zieht in den Dom ein (VII-99), und mit dem Leben auch die fröhliche Kavallerie. Die Assoziation zwischen Kirche und Pferde in VII-101 ist eine Anspielung auf die Revolution (siehe Kapitel IV besonders IV-77).
  • Die Heiligen Drei Könige sind ein Symbol der Vergangenheit, des Aberglaubens. Hier gibt es eine gewisse Assoziation mit Moses. Als dieser, nach vierzig Tagen und vierzig Nächten auf dem Berg Sinai, sieht, dass sein Volk zurück zum Heidentum gekehrt ist, und ein Idol das goldene Kalb anbetet, bricht er zornig die Tafeln der zehn Gebote. Auch Heine, oder besser, sein stummer Begleiter zerschmettern ohne Erbarmen die Skelette des Aberglaubens.

 

 

 

CAPUT VIII

 

Von Köllen bis Hagen kostet die Post
Fünf Taler sechs Groschen preußisch.
Die Diligence war leider besetzt,
Und ich kam in die offene Beichais'.

Ein Spätherbstmorgen, feucht und grau,
Im Schlamme keuchte der Wagen;
Doch trotz des schlechten Wetters und Wegs
Durchströmte mich süßes Behagen.                        (VIII-8)

Das ist ja meine Heimatluft!
Die glühende Wange empfand es!
Und dieser Landstraßenkot, er ist
Der Dreck meines Vaterlandes!

Die Pferde wedelten mit dem Schwanz
So traulich wie alte Bekannte,
Und ihre Mistküchlein dünkten mir schön
Wie die Äpfel der Atalante!                                     (VIII-16)

 Wir fuhren durch Mühlheim. Die Stadt ist nett,
Die Menschen still und fleißig.
War dort zuletzt im Monat Mai
Des Jahres einunddreißig.

 Damals stand alles im Blütenschmuck,
Und die Sonnenlichter lachten,
Die Vögel sangen sehnsuchtvoll,
Und die Menschen hofften und dachten -                   (VIII-24)

 Sie dachten: 'Die magere Ritterschaft
Wird bald von hinnen reisen,
Und der Abschiedstrunk wird ihnen kredenzt
Aus langen Flaschen von Eisen!

 Und die Freiheit kommt mit Spiel und Tanz,
Mit der Fahne, der weißblauroten;
Vielleicht holt sie sogar aus dem Grab
Den Bonaparte, den Toten!'                                        (VIII-32)

 Ach Gott! die Ritter sind immer noch hier,
Und manche dieser Gäuche,
Die spindeldürre gekommen ins Land,
Die haben jetzt dicke Bäuche.

 Die blassen Kanaillen, die ausgesehn
Wie Liebe, Glauben und Hoffen,
Sie haben seitdem in unserm Wein
Sich rote Nasen gesoffen - - -                                       (VIII-40)

 Und die Freiheit hat sich den Fuß verrenkt,
Kann nicht mehr springen und stürmen;
Die Trikolore in Paris
Schaut traurig herab von den Türmen.

Der Kaiser ist auferstanden seitdem,
Doch die englischen Würmer haben
Aus ihm einen stillen Mann gemacht,
Und er ließ sich wieder begraben.                                  (VIII-48)

 Hab selber sein Leichenbegängnis gesehn,
Ich sah den goldenen Wagen
Und die goldenen Siegesgöttinnen drauf,
Die den goldenen Sarg getragen.

 Den Elysäischen Feldern entlang,
Durch des Triumphes Bogen,
Wohl durch den Nebel, wohl über den Schnee
Kam langsam der Zug gezogen.                                   (VIII-56)

Mißtönend schauerlich war die Musik.
Die Musikanten starrten
Vor Kälte. Wehmütig grüßten mich
Die Adler der Standarten.

 Die Menschen schauten so geisterhaft
In alter Erinnrung verloren -
Der imperiale Märchentraum
War wieder heraufbeschworen.                                     (VIII-64)

Ich weinte an jenem Tag. Mir sind
Die Tränen ins Auge gekommen,
Als ich den verschollenen Liebesruf,
Das »Vive l'Empereur!«, vernommen.

 

  •  Ich habe das Wort Kot drei Mal (Kapitel VIII, XV und XIX), das Wort Schlamm zwei Mal (Kapitel VIII und XIV) das Wort Dreck zwei Mal (Kapitel VIII und XI; Dreckwall in Kapitel XXI zähle ich nicht mit) und das Wort Mist zwei Mal (Kapitel VIII und XXVI) gezählt. Urin in XI und Nachtstuhl in XXVI berücksichtige ich nicht. Soviel Skatologisches kann man nur mit Freuds Hilfe erklären. Freud würde wahrscheinlich meinen, dass Heine nicht in Kot sondern in der analen Phase stecken geblieben ist. Er würde aber Heine nur sehr ungern psychologisieren, denn er hatte schon Feinde genug. Also lassen wir das mal.
  •  Relativieren muss man die obige Bemerkung mit der Feststellung, dass die damaligen Reisen mit der Kutsche ein wahres Abenteuer waren, und das tatsächlich viel Dreck und Schmutz damit verbunden war.
  •  Die Wörter Kot, Schlamm und Dreck werden natürlich metaphorisch benutzt, um Unreinheiten in den deutschen Verhältnissen zu bezeichnen.
  • Beichais in VIII-4 ist ein halbverdeckter Wagen der meistens die Postkutsche begleitete (Reclam).
  •  Die goldenen Äpfel der Atalante in VIII-16 beziehen sich auf einer griechischen Sage. Die Jägerin wird durch Hippomenes in einen Wettlauf besiegt, indem dieser goldene Äpfel auf den Boden fallen lässt, die dann von Atalante aufgehoben werden. Sie hatte ewige Jungfräulichkeit geschworen, muss aber dann Hippomenes heiraten.
  • Mühlheim ist heute Köln-Mühlheim.
  •  Flaschen von Eisen? Meint Heine Kanonen? (VIII-28)
  • In Kapitel VIII (VIII-45 u. ff.) wird mit der französischen Geschichte gespielt. Nach der Niederlage in der Völkerschlacht 1813, regiert Ludwig XVIII, aber Napoleon kehrt 1815 zurück und übernimmt die Macht bis zu seiner endgültigen Niederlage bei Waterloo in demselben Jahr. Es folgt die Restauration mit Karl X bis zur Julirevolution 1830. Dann übernimmt Louis Philippe die Macht. Die Julirevolution stärkt die Hoffnung der liberalen und demokratischen Bewegung. Das ist was Heine meint, als er von Blütenschmuck und Sonnenlichter spricht (VIII-21-22).
  • Damals stand alles im Blütenschmuck (VIII-21). Heine bezieht sich auf seiner damaligen Abreise nach Paris, kurz nach der Julirevolution 1830, und vergleicht sie mit seiner jetzigen Reise (1843). Die Hoffnungen sind hin, und geblieben ist die blasse Kanaille, die den Wein säuft. Die Franzosen haben die Preußen nicht vertrieben und die Freiheit hat sich den Fuß verrenkt. (VIII-21-44).
  • Die magere Ritterschaft in VIII-25 das sind die Preußen. Damals, 1831, gab es Hoffnungen, dass die Preußen bald abziehen würden. Daraus ist nichts geworden. Die Spindeldürre hat heute einen dicken Bauch (VIII-35-36)
  • Die Trikolore in Paris schaut traurig herab (VIII-43-44), weil Louis Philippe von der liberalen Orientierung sich immer mehr abwendet.
  •  Napoleon ist 1821 in der englischen Insel St. Helena gestorben. Die Insel war seit 1650 englischer Besitz, was die englischen Würmer erklärt. In 1840 wurde Napoleon von St. Helena exhumiert und in den Pariser Invalidendom gebracht. Das Leichenbegängnis in VIII-49 bezieht sich auf diesen Vorgang. Heines Verehrung Napoleons wird deutlich.
  •  In VIII-49 bis 68 berichtet Heine von der Grablegung Napoleons im Invalidendom in Paris. Als Korrespondent deutscher Zeitungen hatte er der Zeremonie beigewohnt.
  • Mit dem Adler in VIII-60 meint Heine wahrscheinlich Louis Philippes Annäherung an der Heiligen Allianz, wo Preußen eine wichtige Position einnimmt. Traurig schaut Heine zu als die Monarchie wieder heraufbeschworen wird. Preußen und Franzosen vereinen sich hier in ihrer Sehnsucht nach Macht.
 

  

CAPUT IX

 

 

Von Köllen war ich drei Viertel auf acht
Des Morgens fortgereiset;
Wir kamen nach Hagen schon gegen drei,
Da wird zu Mittag gespeiset.

Der Tisch war gedeckt. Hier fand ich ganz
Die altgermanische Küche.
Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut,
Holdselig sind deine Gerüche!                                 (IX-8)

 Gestovte Kastanien im grünen Kohl!
So aß ich sie einst bei der Mutter!
Ihr heimischen Stockfische, seid mir gegrüßt!
Wie schwimmt ihr klug in der Butter!

Jedwedem fühlenden Herzen bleibt
Das Vaterland ewig teuer -
Ich liebe auch recht braun geschmort
Die Bücklinge und Eier.                                             (IX-16)

Wie jauchzten die Würste im spritzelnden Fett!
Die Krammetsvögel, die frommen
Gebratenen Englein mit Apfelmus,
Sie zwitscherten mir: »Willkommen!«

 »Willkommen, Landsmann« - zwitscherten sie -
»Bist lange ausgeblieben,
Hast dich mit fremdem Gevögel so lang
In der Fremde herumgetrieben!«                                        (IX-24)

 Es stand auf dem Tische eine Gans,
Ein stilles, gemütliches Wesen.
Sie hat vielleicht mich einst geliebt,
Als wir beide noch jung gewesen.

 Sie blickte mich an so bedeutungsvoll,
So innig, so treu, so wehe!
Besaß eine schöne Seele gewiß,
Doch war das Fleisch sehr zähe.                                          (IX-32)

Auch einen Schweinskopf trug man auf
In einer zinnernen Schüssel;
Noch immer schmückt man den Schweinen bei uns
Mit Lorbeerblättern den Rüssel.

 

 

 

  •  Hier wird mit Essen und Speisen anthropomorphisiert, d.h., Heine macht Assoziationen zwischen Gerichte und typisch deutsche Figuren. Es wird der deutsche Idealismus (Vaterland, Engel, Himmel, Herz, Treue, Seele, Sieg) ironisiert. Sogar das Braune wird erwähnt, aber das ist dann reiner Zufall, denn soweit konnte Heine nicht blicken.
  •  Die Stockfische schwimmen klug in der Butter. Die Assoziation von Klugheit und Butter ist köstlich (IX-11 u. ff.). Fast würde man meinen dass Klugheit dazu führt, dass alles in Butter läuft.
  •   Ironische Assoziationen entstehen als Heine Vaterland, Herz und braun geschmorte Bücklinge und Eier in einer selben Strophe erwähnt (IX-14-16).
  •  Die Würste sie jauchzen und spritzen. Nur ist, leider, das Fett nicht sehr gesund (IX-17).
  •  Die Vögel sie singen so fromm wie Englein im Himmel. Zurück zur Erde, liegen sie dann auf dem Teller, gebraten mit Apfelmus. Auch erinnert sich Heine an das Gevögel in Paris, und das damit verbundene Amüsement (IX 18 u. ff.).
  •  Die Gans, sie war ein stilles und gemütliches Wesen. Es entstand eine Liebe, leider etwas einseitig. Jetzt sitzt sie (oder steht sie?), noch dazu auf dem Tisch? Sie ist treu geblieben und blickt Heine bedeutungsvoll an. Auch hat sie eine schöne Seele. Nur, ach, das Fleisch ist zähe! (IX-25 u. ff.).
  •  Aber das Beste bleibt für die Endstrophe. So manches Schwein wurde mit Lorbeerblättern gefeiert (Lorbeerblätter schmückten das Haupt der Sieger im alten Rom). Nun liegt aber der Kopf des Schweins in einer Schüssel und die Lorbeerblätter schmücken den Rüssel (IX-33 u. ff.).
  •  Hier übt Heine die Kunst der Kontrapunktik. Es werden Gegensätze und Widersprüche zwischen den Ideellen, Ätherischen und den Reellen, Materiellen geschaffen: Vaterland x Eier; Engel x Apfelmus; Seele x zähe; Lorbeerblatt x Schwein.
  •  Es sei mir hier erlaubt, mich für Heine, bei den Leserinnen (und Lesern natürlich auch), zu entschuldigen für den Chauvinismus einiger Szenen. Natürlich muss man berücksichtigen, dass dies alles im XIX Jahrhundert geschrieben wurde, aber trotzdem ...