Samstag, 21. Dezember 2024

Brief an meine Leser des Literaturforums

 

 

Meine Lieben

 

ich glaube, dass ich eine Erklärung für mein plötzliches Verschwinden aus dem Literaturforum schuldig bin. Die letzten Ereignisse zeugen von einer solchen Wucht und Willkür, dass ich mein Vertrauen dort verloren habe. Es bleibt mir nichts anderes übrig  als meine Argumente hier zu bringen.

 

Gehen wir direkt zu den Tatsachen. Das Thema Verbindung war polemisch. Ich verband Brechts Kriegsfibel mit Bildern aus dem Nahost-Konflikt, meistens aus dem Gaza-Streifen. Die Original Bilder waren zum größten Teil  Zeitungsauschnitte aus dem zweiten Weltkrieg. Es mag sein, dass nicht alle mit diesem impliziten Vergleich einverstanden sind. Es mag sogar sein, dass manche ihn unpassend finden. Hätte man mit mir argumentiert, so hätte ich kontraargumentiert und es wäre vielleicht eine interessante Diskussion entstanden. Aber nein, so etwas gab es nicht. Die meisten Kommentare die ich bekam waren zustimmend, was meine Perspektive nur noch bekräftigte.

 

Mein erster Beitrag zu diesem Thema wurde 02.03.2024 gepostet. Am 02.12.2024, also genau neun Monate danach, bekam ich eine PN (Private Nachricht) von der Moderatorin des Literaturforums. Meine Beiträge enthielten urheberrechtlich geschützte Bilder von Dritten. Gefragt wurde nicht, ob ich die Rechte hätte, was ja möglich gewesen wäre. Aber nein, man ist davon ausgegangen, dass ich im Unrecht war. Kurz danach wurden die Bilder entfernt und dann das ganze Thema wurde gelöscht, angeblich weil die Texte ohne die Bilder keinen Sinn mehr hatten.

 

In den nächsten Paragraphen möchte ich Argumente bringen, die zeigen sollen, dass das Urheberrecht nur als Vorwand benutzt wurde, um ein unangenehmes Thema zu entfernen. Mein erstes Argument wurde von ein Mitglied des Forums gebracht: Warum wurde die Warnung erst nach neun Monate gegeben? Wenn man schon so lange gewartet hat, warum folgten die Maßnahmen mit einer solchen Hast und Eile? Die Antwort der Administration des Forums auf diese Fragen war, dass sie Probleme mit der Moderation hatten. Daraufhin kann ich nur sagen, dass wenn sie selber zugeben, dass sie Probleme hatten, dann müssten sie konsequent handeln und auch die Folgen dafür tragen, und nicht alle Verantwortung mir zuschieben.

 

Urheberrechtsverstöße im Internet sind gang und gäbe. Meistens gibt es keine Konsequenzen. Wenn es eine gibt, wird normalerweise das Bild / Video einfach entfernt, ohne dass man das ganze Thema löschen muss. Eine kurze Suche im Literaturforum hat ergeben, dass es viele ähnliche Fälle, die schon lange geduldet werden, gibt. Ich selber habe in Schreibwerkstatt / Eine kleine Reise…, Beitrag #11 Die Todesfuge von Paul Celan gepostet, und niemand hat mir je etwas dazu gesagt. Warum? Ist doch auch Urheberrechtsverstoß? Paul Celan ist 1970,  vor ungefähr 55, also weniger als 70 Jahren gestorben.

 

Genauso schlimm wie die Tatsachen, ist die Art und Weise wie gehandelt wurde. Sie zeugt von einer tiefen Verachtung der Mitglieder des Forums, die ja verantwortlich für den Inhalt und dadurch zu den kommerziellen Erfolg des Unternehmens sind. Da man schon so lange mit der Warnung gewartet hat, hätte man mir doch noch ein paar Tage Bedenkzeit geben können. So viel Respekt hätte man schon haben können, nachdem ich schon mehr als zehn Jahre dort tätig bin.

 

Die Bilder entfernen, das wäre OK, aber das ganze Thema löschen, zeugt von einer solchen Gewalt, dass ich, der and die herrschenden Mächte eines Entwicklungslandes gewohnt bin, zurückschrecke. Dabei wäre doch wieder eine Absprache möglich. Ich hatte gerade sieben Verbindungen gemacht, die meisten Bilder waren von konfessionellen Hilfsorganisationen, denen ich schreiben könnte, um das Erlaubnis zu bekommen. Aber nein, weg damit, so schnell wie möglich.

 

Nun, das Leben geht weiter. Ich habe mit der Erfahrung gelernt aus einer Niederlage, wenn schon keinen Erfolg zu machen, dann aber ein Nutzen zu ziehen. Ich werde weiter Texte in Deutsch posten, hier und nicht dort, vielleicht etwas weniger, vielleicht mit weniger Hits und weniger Kommentare, was auch seine Vorteile haben kann, weil ich dann freier in der Gestaltung von Form und Inhalt sein kann.

 

Claudio