Bei meiner diesjährigen Europa-Reise habe ich beschlossen das Gepäck unter 10 kg zu halten. Mit dem Alter werden nämlich die Kilos schwerer!
Bücher, ich meine natürlich Papier, wurden gestrichen. Wie aber die Zeit während der langen Flugreise zu verbringen? Die Blockbusters kann ich nicht vertragen und mein Magen ist empfindlich.
Mein Sohn kam mir zur Hilfe und hat mir sein Kindle geliehen. Nur so kann ich die Tatsache, dass ich zu Ferrantes Buch gelangt bin, erklären. Nein, das Buch ist nicht schlecht. Es ist gut und verständlich geschrieben, leicht zu lesen, spannend, gerade das richtige für eine Lektüre zwischen Stewardessen, Mitteilungen akustischer und visueller Art, Essgeschirr und Servietten. Auch liebe ich Neapel und Italien überhaupt.
Aber … was muss ich so viel erfahren über das Leben, Eifersucht, Ehre, Rache, Machismos und Patriarchalismus der neapolitanischen Famiglia, und noch dazu mit diesem Reichtum an Details? Auch sind die Charakter zu kleinbürgerlich in ihrer Denkungsart, sodass mir der Spaß, den ich natürlich an der Ehrlichkeit, Anspruchslosigkeit, Herzlichkeit, Offen- und Einfachheit Ferrantes Geschichte haben könnte, vergeht. Was gibt es da besonderes mit einer Fiat Millecento durch die Gegend zu fahren, selbst wenn man bedenkt, dass der größte Teil der Geschichte sich in den Fünfzigern abspielt? Keine Ironie, kein Humor, nichts pikantes, würziges. Auch konnte ich keine Schönheit und Poesie in der Erzählung entdecken. Das einzige positive (und es ist nicht wenig) ist, dass ich ein paar angenehme Stunden mit dem Buch verbracht habe. Jetzt aber, wo ich mit der Lektüre fertig bin, bleibt mir ein leicht-bitterer Geschmack von verlorene Zeit.
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