Ein kleines
Intermezzo, das ich benutzen will, um einige Auskunft, für diejenigen die mit
der Geschichte der KZs nicht vertraut sind, zu geben. Es handelt sich
hauptsächlich um das KZ Buchenwald.
Was
hat das mit der DDR zu tun? Erstens, war das KZ auf dem Ettersberg bei Weimar
errichtet, ein Gebiet das später zu der DDR gehörte [1]. Das ist aber
unwichtig. Wichtig ist, das Buchenwald eines der wenigen Lager war, wo es eine
Widerstandsbewegung gab. Diese hat dann später Kadern für Führungspositionen
der DDR geliefert.
Im
KZ Mittelbau-Dora, dass zum Buchenwald-Komplex gehörte, fand ab 1944 die
Montage der V-2 Rakete statt. Der Ausbau des unterirdischen Komplexes am Fusse
des Kohnsteins nahe Nordhausen und die Fertigung der Waffen forderten laut
SS-Akten das Leben 12000 Arbeiter, die meistens aus den KZs kamen. Neuere
Schätzungen lassen die Zahl der Todesopfer bis auf 20.000 ansteigen. Ungefähr zwanzig
Kilometer unterirdische Gänge wurden von den Lagerinsassen konstruiert unter
den schlimmsten Verhältnissen: Staub, Krach, Sprengungen, Feuchtigkeit, Kälte,
Dunkelheit. Keine Sanitären Anlagen waren vorhanden, und die Arbeiter wurden
oft in den Kammern, die vom Hauptstollen abzweigten, untergebracht. Die
Lebensbedingungen waren so schlimm, dass die Lebenserwartung eines Häftlings
bei sechs bis acht Wochen lag.
Diese
Zustände erinnern mich an der Legende vom
toten Soldaten. Voran marschieren halb tote Skelette, verweste Leiber, von
Krankheit, Hunger und Gestank gepeinigt. Mit Krach und Gebrüll kommen dann die
Maschinen, riesige Gestalten aus Stahl und am Ende mit viel Getöse und
Tschindrara, versteckt hinter den Gerüsten, kommen die Herren in Uniform. Der ganze Zug feiert mit
grandiosen Getue, Sieg und Heil, der kommende Triumph der neuen
Vergeltungswaffe. Eine hinkende, schwarze und kleine Gestalt schliesst die
Kolonne.
Die
Wunderwaffe kam zum Einsatz gegen England ab September 1944. Die Bombe flog mit
einer Geschwindigkeit von ca. 5000 km/h (Mach 5) und erreichte das Ziel in ca. fünf
Minuten. Damals gab es keine Abwehrmöglichkeit gegen diese Waffe. Wegen der
hohen Geschwindigkeit war es kaum möglich Fliegeralarm auszulösen, was eine
besondere psychologische Wirkung bei der angegriffenen Bevölkerung hatte, denn
auf einmal knallte es, ohne dass man sich darauf vorbereiten konnte. Die V2
Rakete sollte den Krieg zu Gunsten der Deutschen entscheiden aber dazu war die
Waffe zu unpräzis, der Schaden zu klein und die Fehlschläge zu gross [2]. Auch
war es schon zu spät und Deutschland zu geschwächt [3]. Sicherlich hat die Sabotagearbeit
der linken Untergrundorganisation im KZ Mittelbau-Dora ihren Beitrag zu dieser
Situation geleistet.
Sozialisten
und Kommunisten gelang es wichtigen Einfluss bei der internen Organisation des
Lagers zu bekommen. Natürlich hatte die SS die Oberhand und natürlich war der Wirkungsbereich
der Roten Kapos gering. Wie ist es aber
zu einer solchen Zusammenarbeit überhaupt gekommen? Wie war so etwas möglich? Ist
es korrekt von Zusammenarbeit zu sprechen, wenn es da sicherlich grosse
Spannungen zwischen beide Gruppen gab? Welchen Nutzen hat sich die SS damit versprochen,
um Sozialisten und Kommunisten den Zugang an dem KZ-Apparat zu erlauben? Und
die Linke, welche Vorteile hat sie sich dadurch erhofft? Wie konnte sie die
Beteiligung an der Macht so einer Folterkammer rechtfertigen?
Was
für eine phantastische Geschichte! Keine Phantasie kann da mit der Wirklichkeit
standhalten. Aber was sagt die Rechte dazu? Wie beantwortet sie diese Fragen? Die
Rechte meint der Mensch sei schlecht, und müsse durch das Schlechte gebändigt
werden. Sie glaubt, dass auch die Linke nichts anderes als Macht wolle, und benutze
jede Gelegenheit diese zu festigen. Alles andere wären dann nur Parolen,
gemacht um uns in der Wirre zu treiben.
Die
gemässigte Rechte setzt die Linke gleich dem Stalinismus. Dieser wäre dann der
reale Sozialismus, der Sozialismus der Realität. Alles andere wäre ja nur
Utopie, die sich nie verwirklichen ließe. Ein Traum. Ein Schmarrn das mit dem
Guten im Bösen. Reiner Betrug!
Und
was meint die Linke? Die Linke meint, dass es da selbstverständlich eine
gewisse Zusammenarbeit mit der SS gab. Sie war aber nur Mittel zum Zweck. Der
Zweck war Leben zu retten, das Gute im Bösen zu suchen, und das Bestmögliche
daraus zu machen. Das es dann meistens Sozialisten waren, die gerettet wurden,
das ist halt dieser Richtlinie zu verdanken. Sie sind das Gute. Einige
Asoziale, Verbrecher und Spitzel kamen dabei ums Leben, das war der Preis den
man dafür bezahlen musste. Das es da einige Fehler bei der Planung gab, das war
eben unvermeidlich. Es handelt sich um Wirklichkeit, nicht um Utopie.
Und
wo bleibe ich? Wie reihe ich mich da ein, zwischen Gut und Böse, Linke und
Rechte? Bleibe ich zwischen den Stühlen, jenseits von Gut und Böse, Links und
Rechts? Das wird man sehen.
Bemerkungen:
[1]
Wieder einmal treffen sich Kultur und Barbarei denn Weimar zählt zu einer den
bedeutendsten Kulturstädten Europas und der Ettersberg hat eine starke
Verbindung mit den Name Goethes.
[2]
Gemäss Wehrmacht und Niederlage - die
bewaffnete Macht in der Endphase der nationalsozialistischen Herrschaft
1944-1945 von Andreas Kunz, wurden 6500 Stück A4/V2 zwischen Januar 44 und
März 45 produziert. Mehr als die Hälfte aller Raketen konnte nicht abgeschossen
werden, und im Oktober erwies sich zwei Drittel als unwirksam. Die Streuung der
Fernwaffe war so gross, dass sich damit keine militärischen Ziele bekämpfen ließen.
[3]
Die Sprengkraft aller abgefeuerten V2 Raketen zusammen war kaum stärker als ein
einziger mittlerer Bombenangriff. Die Wirkung war eher psychologischer Art. Vom
Schaden betroffen wurde hauptsächlich die Zivilbevölkerung.
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